Dinosaur Jr. - I Bet On Sky - Cover
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Dinosaur Jr. I Bet On Sky


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Brachiale Wut, melancholische Gigantomanie und das kleine bisschen Optimismus.

Eine Sache muss direkt mal am Anfang erwähnt werden! Wer sich an Outputs im oder um das Jahr 2009 herum erinnert, wird sicherlich noch einen Begriff im Kopf haben: Loudness War. Dieser verwüstete nicht nur den Sound von Metallicas „Death Magnetic“, sondern auch „Farm“ von Dinosaur Jr. Auch wenn heute noch vereinzelt eben jener Loudness War tobt und so manchen Sound den Bach runtergehen lässt, hatte man mit dem kleinen Dino zum Glück Erbarmen. „I Bet On Sky“, das mittlerweile zehnte Album von Lou Barlow, Murph und Schneelöckchen J Mascis, muss als Kriegsversehrter nicht mehr an die Front zurück. Da darf also sofort Entwarnung gegeben werden: Die Produktion von „I Bet On Sky“ ist sauber, ordentlich aber nicht zu sauber und zu ordentlich. Ansonsten ginge die Rechnung der drei Musiker auch kaum auf.

Immerhin haben die US-amerikanischen Alternative Rocker einen Ruf zu verlieren. Ihr Sound ist und bleibt irgendwo zwischen Garage und wohlig-warm und somit auch ziemlich einzigartig. Im Gegensatz zu „Farm“ schalten Mascis und seine Kollegen einen Gang zurück. Waren einige Songs auf „Farm“ noch bislang ungewohnter Schrammelrock-Bombast mit deutlichem Hang zur Melancholie und der einen oder anderen düsteren Stelle (jedoch immer mit dem Mindestmaß an Optimismus), ist „I Bet On Sky“ geerdeter, ja, fast zahm. Erinnerungen an Mascis 2011er Output „Several Shades Of Why“ schleichen sich im Kopf ein. „Green Mind“ (1992), „Bug“ (1988)? Nicht wirklich. Zeiten ändern sich eben. Dinosaur Jr. sind aber immer noch Dinosaur Jr. und das auf ihre eigene, grundsätzlich unverkennbare Weise.

Den Anfang macht „Don't Pretend You Didn't Know“ und dieses eröffnet erschreckend unspektakulär und langweilig. Dinosaur Jr. hatten selten einen so schwachen Opener. „Watch The Corners“ macht da schon mehr richtig. Der Höhepunkt ist das hoch virtuose Schrammelgitarrensolo. Dafür liebt man diese Band. Und im Laufe des Albums haut uns J Mascis noch so manches Mal solche um die Ohren. Zum Beispiel bei „Stick A Toe In“, „Recognition“ oder dem schlichtweg grandiosen „See It On Your Side“. Hier entfaltet sich aus Krach, dem gewollten Dilettantismus der Grunge-Szene (R.I.P. - Sagen Dinosaur Jr. übrigens auch. Und das schon lange.) und der zaghaften Wut der Band die wahre Einzigartigkeit dieser Gruppe. Am Ende des tieftraurigen Weges halten sich Mascis, Barlow und Murph den Lichtblick als Alternative. Das Überbleibsel von Teenage Angst wirkt in den Händen der Endvierziger wie ein freches, dennoch auf Ernsthaftigkeit beruhendes Augenzwinkern.

Aber nicht alles, was glänzt ist Gold. „Almost Fare“ oder „What Was That“ sind gut, wenn auch nicht überragend. „I Know It Oh So Well“ ist dagegen relativ uninspiriert. Das galoppierende, beinahe debil-fröhliche Pop-Punk Nümmerchen „Rude“ hätte man sich sogar getrost sparen können. Im Großen und Ganzen wird das Vetrtrauen der Fans aber nicht enttäuscht. Als Summe seiner Teile ist „I Bet On Sky“ nämlich ein mehr als ordentliches Album geworden, welches allerdings trotz einigen sehr starken Momenten wohl nicht zu einem Klassiker der Band werden wird. Freunde vom kleinen Dinosaurier freuen sich natürlich immer über neues Futter und greifen selbstverständlich so oder so zu.

Anspieltipps:

  • Stick A Toe In
  • Recognition
  • See It On Your Side

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