Andrea Schroeder - Blackbird - Cover
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Andrea Schroeder Blackbird


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom Gesang der Amsel: Eindringliche, melancholische Nachtlieder im Geiste von Patti Smith und Nico.

Ist Andrea Schroeder die legitime Nachfolgerin von Christa Päffgen aka Nico? Zumindest lassen sich Spuren der Ikone heraushören, am deutlichsten auf dem letzten Stück „Kälte“ zu vernehmen, wo die in Berlin lebende Künstlerin deutsch singt und das Harmonium einsetzt. Andrea Schroeder lebt in Berlin Wedding. Ob sie in ihrer Wohnung manchmal den Lauten einer Amsel lauschen kann? Ihrem Debütalbum verpasste sie jedenfalls den Titel „Blackbird“ und auf dem Cover trägt sie ein dunkles Oberteil, das wie Vogelfederschmuck mit ihrem Leib verwachsen scheint, die langen Beine ragen im Vordergrund, gehüllt in mächtige, mit hohen Absätzen versehenen Lederstiefel. Bedrohlichkeit und Melancholie verkörpert nicht nur das Coverartwork, jene Elemente sind auch in Schroeders Songs geradezu greifbar. An ihrer Seite der Däne Jesper Lehmkuhl, der Gitarre und Bass spielt. Außerdem griff Chris Eckman in die Gitarrensaiten und zur Hammond-Orgel, produzierte das Album und arrangierte die Streicher.

Andrea Schroeder erhebt ihre Stimme zum Auftakt „Paint It Blue“ und klingt dabei wie eine Patti Smith, die mit Nick Cave Intonation ihr eigenes Charisma entfaltet. Der „Bebop Blues“ kommt mit dunkel rumorendem Bass, atmosphärisch lärmenden E-Gitarren und fauchenden Orgelklängen daher. Dem geübten Hörer wird Chris Eckmans Handschrift gewahr. Schroeders eindringliche, ohne Manierismen sprechsingende Stimme rückt auf „Wrap Me In Your Arms“ und „Ghost Ship“ ins Zentrum. Beides zurückgenommene Songs, die zwischen Velvet Underground und The Walkabouts schwingen. Voller Wärme und Liebreiz stimmt die Berlinerin „Death Is Wrong“ an, ohne dass die melancholische Grundstimmung flöten geht.

Der Titelsong ist dunkel und erhaben wie das Cover, Andrea Schroeder breitet ihr dunkles Federkleid aus, die Streicher zirpen, die Akustikgitarre malt in Moll. Der „Blackberry Wine“ mundet bitter und wirft Schatten auf die herannahenden poetischen „Winter Days“, die bezaubernd und versöhnlich vergehen. Schroeder singt wie eine dunkle Ausgabe von Carla Torgerson. Zur titelgebenden Amsel gesellen sich „Dark Nightingales“, ein bedrohlicher Schwarm am Firmament, die Bad Seeds jammen mit den Walkabouts. Schließlich das bereits anfangs erwähnte „Kälte“, das Nico-Finale.

Andrea Schroeders Debüt ist ein eindringliches Album geworden, das trotz der offensichtlichen Einflüsse und Vorbilder ein eigenes Bild abgibt. Jesper Lehmkuhl sieht das so: „ Wir stehlen ja nichts, sondern es ergibt sich aus dem, was uns gefällt, und wir verarbeiten diese Dinge auf unsere eigene, sehr persönliche Weise. “ Ja, es ist eine persönliche Platte, die von Stimme und Stimmung lebt. Und davon hat sie jede Menge!

Anspieltipps:

  • Piant It Blue
  • Wrap Me In Your Arms
  • Blackbird
  • Dark Nightingales
  • Kälte

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