ZZ Top - La Futura - Cover
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ZZ Top La Futura


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bluesrock für Männer mit wenig Resthaar und umso mehr Bauchumfang.

Das wurde aber auch langsam Zeit! Fast auf den Tag genau neun Jahre nach dem letzten regulären Studioalbum des bärtigen Trios aus Texas, „Mescalero“ (09/2003), steht nach einer schier unüberschaubaren Menge an Samplern wie „Rancho Texicano“ (Best Of), „Chrome, Smoke And BBQ“ (Box-Set), diversen Live-DVDs und Alben sowie der Jubiläumsausgabe von „Eliminator“ endlich das neue Studioalbum „La Futura“ in den Verkaufsregalen.

Nachdem ZZ Top von Anfang der 70er Jahre bis zu Beginn der 90er Jahre bei Warner Music unter Vertrag standen und dann für ein horrendes Salär, zudem niemand nein sagen konnte, zu RCA Records im Vertrieb von Sony Music wechselten, sind Dusty Hill, Billy F. Gibbons und Frank Bears nun beim nächsten Major angekommen. Denn Produzent Rick Rubin hat die Band nicht nur im Studio zart in den Hintern getreten, sondern sie auch noch für sein American Recordings Label (Universal) unter Vertrag genommen. Das ist inzwischen vier Jahre her, woran sich gut erkennen lässt, wie lange sich das ZZ-Top-Comeback nun schon hinzieht.

Als Devise hatten ZZ Top vorgegeben, sich auf die Direktheit ihrer frühen Alben zu besinnen, ohne den modernen Technologien, die der Band Mitte der 80er Jahre den kommerziellen Durchbruch bescherte, den Rücken zu kehren. Diese Vereinigung vom Besten aus beiden Welten, die frühe ZZ-Top-Fans von denen der 80er Jahre bis dato spaltete, wurde mit Rick Rubin einem Produzenten übertragen, der genau für solche Spezialaufgaben bekannt ist und dabei schon den einen oder anderen Volltreffer für die Ewigkeit gelandet hat (Slayer, Danzig, Beastie Boys, Tom Petty, Johnny Cash).

Nachdem sich ZZ Top mit „I gotsta get paid“ und „Chartreuse“ warmgelaufen haben, vermengen sie in „Consumption“ ihren Bluesrock erstmalig mit dem angepeilten Mix aus dem Sound der Siebziger und Achtziger, wobei der steril-unterkühlte Klang eines „Eliminator“-Albums – Gott sei Dank – nicht reproduziert wird. Mit dieser Nummer wären ZZ Top vermutlich auch böse baden gegangen. Dass die Band trotzdem noch kommerzielles Potenzial besitzt, zeigt ein knochentrockener Hardrock-Blues’n‘Boogie wie „Flyin‘ high“, den AC/DC auch nicht besser hinbekämen, auch wenn Dave Sardy (Bush, System Of A Down, Oasis, Hot Hot Heat) hier ein bisschen mitgeholfen hat.

Unterm Strich sind die großen Jahre mit fetten Singlehits dennoch vorbei. Daran kann auch ein wieder einmal sehr solides Album der „lil ol’ band from Texas“ nichts ändern. ZZ Top holen aus dieser Tatsache allerdings das Maximale heraus, indem sie nicht wie die jungen Hüpfer des Genres (The Black Keys, The Raconteurs oder davor The White Stripes) bis zum Anschlag lärmen, sondern gediegenen Bluesrock für eine Zielgruppe mit wenig Resthaar und umso mehr Bauchumfang darbieten. Und das kann – mit Verlaub – auch ganz schön cool sein!

Anspieltipps:

  • Flyin‘ high
  • Chartreuse
  • Consumption
  • Heartache in blue
  • It’s too easy Manana

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