Amanda Palmer - Theatre Is Evil - Cover
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Amanda Palmer Theatre Is Evil


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 71 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album voller musikalischer Einfälle und Songs, die einen nicht kalt lassen und gleichermaßen faszinieren wie erschüttern.

Wer solche Fans besitzt, braucht kein Geld von der Plattenfirma: Amanda Palmer sammelte von ihren Fans für ihr neues Album fast 1,2 Millionen Dollar via Kickstarter ein. Palmer hat sich einen Namen mit den Dresden Dolls gemacht, dabei wurde sie allerdings von einer großen Plattenfirma unterstützt , ein gewisser Bekanntheitsgrad schadet eben beim Spenden sammeln nicht. Sie steht für eine musikalische Kunst, die ihre Fans zu schätzen wissen. Ihre eigenen Ansprüche haben sie die große Plattenfirma verlassen lassen, damit sie weiterhin ihrer künstlerischen Ader frönen konnte.

Amanda Palmer schafft es, eine Atmosphäre aus Musical, Kabarett, Rock- und Popmusik, zu produzieren, die beeindruckt. Dabei sollte man aber eher Musicals wie „Nightmare before Christmas“ assoziieren, also viel dunkle Phantasie, eine originelle Herangehensweise und kunstvolle Details inklusive. Die Details sind es eben, die Amanda Palmer auszeichnen: Ob sie Ukulele oder Bläser, Rockequipment oder das von ihr gespielte Piano in ihre Songs einbaut, scheint nebensächlich, weil sie über ein Songwritingtalent verfügt, dass andere gern hätten. Sie hat außerdem eine beeindruckende und sehr tiefe Stimme, die von ganz zart bis zu sehr energisch gesteigert wird und einige Oktaven und Tempi präsentiert. Allerdings legt sie meist ein beeindruckendes Tempo vor und verfällt zeitweise in eine Art Sprechgesang ohne die Musicalattitüde wegzulassen. Amanda Palmer wühlt musikalisch gern in den 80er Jahren oder was sie daraus macht, eigentlich fragt man sich aber ständig was sie als nächstes an faszinierenden musikalischen Einfällen produziert.

Die 36jährige Amerikanerin hat zwar auch manchmal etwas zu ausufernde Ideen, einige Songs strapazieren mit sehr vielen Wendungen die Geduld ein wenig, dennoch muss man ihre Risikobereitschaft bewundern, dem Mainstream möglichst auszuweichen. Die Schwierigkeit, Palmers Musik ansatzweise zu beschreiben, illustrieren zwei Beispiele: Bei „I want it back“ tobt erst der Synthesizer und Palmer sprechsingt sich durch einen sehr poppigen Song, der am ehesten im Radio gespielt werden könnte und man wundert sich ob der Normalität der Musik. Im Gegensatz dazu stehen sperrige Tracks wie „Trout Heart Replica“: Ein pianogetriebenes Ungeheuer, welches mit Piano und Geigen beginnt und angeführt von dieser enorm wandlungsfähigen Stimme ein bombastisches Klassikabenteuer mit diesem besonderen Touch Exzentrik der Marke Palmer darstellt. Amanda Palmer hat ihren spendenfreudigen Fans etwas zurückgegeben: Ein Album voller musikalischer Einfälle und Songs, die einen nicht kalt lassen und gleichermaßen faszinieren wie erschüttern.

Anspieltipps:

  • Want It Back
  • Trout Heart Replica
  • Berlin
  • Lost

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