As I Lay Dying - Awakened - Cover
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As I Lay Dying Awakened


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Powerless Rise“ – Teil 2: Jetzt mit mehr Klargesang und Kuschelfaktor!

Seien wir mal ehrlich! Wer trauert noch dem ungeschriebenen Metalcore-Gesetz nach, dass ein auf Erfolg getrimmtes Album unbedingt zuckersüßen Klargesang erhalten muss? Eben. Wieso kommen die fünf Fruchtzwerge von As I Lay Dying (Tim Lambesis (Gesang), Phil Sgrosso (Gitarre), Nick Hipa (Gitarre), Josh Gilbert (Bass, Clean Vocals) und Jordan Mancino am Schlagzeug) dann auf die glorreiche Idee, nach ihrem gnadenlosen Granatensprengsatz „The Powerless Rise“ (05/2010) eine Light-Version zu veröffentlichen, die den Namen „Awakened“ trägt? Wahrscheinlich ist das neue Schäfchen im Kirchenchor, Produzent und Schlagzeuger der legendären Descendents Bill Stevenson, daran schuld und ist auf die glorreiche Idee gekommen, Goldkehlchen Gilbert klingen zu lassen wie „Fat lip“-Whibley zu „Does This Look Infected“-Zeiten.

Ach, was solls! Solange einem As I Lay Dying die Gehirnwindungen durchpusten und die heimische Anlage währenddessen an ihre Grenzen getrieben wird, ist alles in bester Ordnung, denn die Jungs verstehen es einfach, massive Riffs mit donnernden Melodien zu versetzen, für die andere Bands töten würden. So ist es dann nicht verwunderlich, wenn nach den ersten paar Durchgängen Maulsperre angesagt ist und der Lautstärkeregler immer weiter nach rechts wandert, bis die Nachbarn die Polizei auf den Plan rufen. Kurzum: „Awakened“ ist ein typisches Metalcorebrett, bei dem nicht nur die Trademarks der Kalifornier wie Asse aus dem Ärmel geschüttelt werden, sondern auch die Einbindung von „Der Schöne und das Biest“-Motiven weniger schmerzt als in vielen anderen Genre-Donnerknüppeln.

Lambesis & Co. bleiben nämlich trotz des einen oder anderen beängstigenden Druckabfalls („Whispering silence“, „Overcome“, „Tear out my eyes“) stets knackig und schnalzen nicht nur einmal präzise im Höllentempo um die Ecke („Cauterize“, „Wasted words“). Sie schaffen es auch, neues Livematerial als Circle Pit-Animation mit Gangshouts unterzubringen („A greater foundation“, „My only home“), vom Rhythmus getriebene Dampfmaschinen vom Stapel zu lassen („No lungs to breathe“) oder mit unnachahmlichem Groove die Nackenmuskulatur zu strapazieren („Resilience“). Lediglich der rockige Ausflug in „Defender“ enttäuscht aufgrund seines übertrieben hohen Grades an Klargesang auf ganzer Linie und vom herrlich überflüssigen Instrumental „Washed away“ wollen wir gar nicht erst anfangen.

„There´s still plenty of fast stuff on this record, but there´s more grooves and some different vibes going on” verkündet Gitarrist Sgrosso stolz. Ja, man kann seine Birne im Takt zu „Awakened“ vorzüglich gegen die nächste Stahlbetonwand hämmern, ausgesprochen anders oder gar runderneuert präsentiert sich der sechste Output der Kalifornier aber letztendlich nicht. Dafür wurden eindeutig zu viele Ecken abgeschliffen und die widerspenstige Seite von „The Powerless Rise“ gegen ein schnittiges Sportmodell mit Werkseinstellungen eingetauscht. Neben der grandiosen Bauchlandung „Decas“ (11/2011) sieht die Platte jedoch wie ein Maybach in Luxusausstattung aus und allein deswegen darf man den Jungs nicht allzu böse sein, wenn die Weiterentwicklung praktisch nicht existent ist.

Anspieltipps:

  • Resilience
  • No Lungs To Breathe
  • A Greater Foundation

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