The Mystery - Apocalypse 666 - Cover
Große Ansicht

The Mystery Apocalypse 666


  • Label: Pure Steel/H'ART
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Schmissiger Power Metal mit weiblicher Reibeisenstimme.

Auch wenn sich die ein oder andere Sabina Classen (Holy Moses), Angela Gossow (Arch Enemy) oder gar Doro über die Jahre als feste Instanz im Metals etablieren konnte, bleibt die Frontfrau, die auf elfenhaften Gesang und das dazu passende Auftreten verzichtet zu den spannendsten Erscheinungen in der Subkultur. Die 1996 gegründete Metal-Combo The Mystery aus Heiligenhaus in NRW haben von Anfang an die Idee verfolgt eine Dame am Mikro zu bieten ohne dabei in Symphonic- oder Gothic-Metal-Schemata zu rutschen. Auf ihrem dritten, passend zum von Rolle Emmerich oder den Mayas prognostizierten Weltuntergang titulierten Album „Apocalypse 666“ bleiben sie sich selbst treu. Ihre mittlerweile fünfte Sängerin Iris Boanta ist eine Frontsau wie sie im Buche steht und überrascht mit einem Organ für die sie so mancher Herr der Schöpfung beneiden sollte.

Damit bietet sie einen angenehmen Kontrast zur Musik von The Mystery. Hierbei handelt es sich nämlich um einen sehr melodischen und geerdeten Power Metal. Allzu viel Geschnörkel findet sich gottlob genau so wenig wie die Unfähigkeit vor unnötigem Gefrickel oder Virtuositätsbezeugungen rechtzeitig die Kurve zu kriegen. In seinen melodischsten Momenten erinnert das Material auf „Apocalypse 666“ stark an Bands wie Altaria, Domain, Axenstar oder die frühen Axxis ohne aber den Schwerpunkt jemals auf das Keyboard zu legen. Songs wie „Outlaw“, „Nailed To The Cross“, „Assaulted Minds“ oder „Cashgame“ (mit nicht zu unterschätzendem AOR-Einfluss) erheben ihren Anspruch ganz klar darauf sich als Ohrwurm in den Gehörgängen einzunisten. Das gelingt The Mystery ohne Schwierigkeiten. Dabei bleiben die elf Kompositionen (das Intro „Doomsday Prophecy“ zählt nicht) insgesamt sehr knackig und treibend: Mehr Gamma Ray als Sonata Arctica!

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran, dass „Apocalypse 666“ so gut funktioniert ist die erwähnte Sängerin Iris Boanta. Im Female Fronted Metal hat sie definitiv ihre eigene Nische gefunden. Wüsste man es nicht besser, würde man glatt denken ein Mann stünde hinter dem Mikro. Im Vergleich zu so manchem männlichen Genre-Kollegen hat sie zudem deutlich mehr Eier in der Hose. Statt Falsett keift die gebürtige Rumänierin erbarmungslos drauflos. Sanftere Momente wie in der gelungenen Dio-Hommage „In Heaven Or Hell“ bleiben die Ausnahme, zeigen aber den Umfang ihrer Stimme und funktionieren ebenfalls gut. Für den Fan von gutem Power Metal ist „Apocalypse 666“ in der Summe ein interessantes Album geworden. Auf bestimmte Konventionen des Genres wird klar verzichtet ohne aber sich zu weit von jenem zu entfernen und Experimente aus Notwendigkeit zu versuchen. Im Gegenteil: Die Band zeigt sich im Songwriting sicher und konzentriert sich darauf ihre Musik melodisch und mit einem nicht zu unterschätzenden Grad an Heavyness zu präsentieren. Und das ist schließlich die Formel, die Alben wie „Apocalypse 666“ brauchen, um richtig Laune zu machen. The Mystery machen da auf jeden Fall viel richtig und untermauern erneut ihren Geheimtippstatus!

Anspieltipps:

  • Apocalypse 666
  • Nailed To The Cross
  • In Heaven Or Hell
  • Assaulted Minds

Neue Kritiken im Genre „Power Metal“
7.5/10

United Alive In Madrid
  • 2019    
Diskutiere über „The Mystery“
comments powered by Disqus