Bushido - AMYF - Cover
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Bushido AMYF


  • Label: Ersguterjunge/Sony Music
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sonny Black is back! Das neue Album „AMYF“ von Gangster-Rapper Bushido hat zwar die Fäkalsprache reduziert, dreht sich aber weiterhin vor allem um ihn selbst.

Nach unzähligen Alben am laufenden Band, einer Autobiographie und sogar einem Kinofilm („Zeiten ändern dich“), hat sich Gangster-Rapper Bushido mit seinem neuen Akbum „AMYF“ etwas mehr Zeit gelassen. Zu Recht? Die Zeiten für Aggro-Rapper wie Bushido oder Sido sind mittlerweile härter (und zwar noch härter als im Berliner Ghetto!) geworden. Dicke Autos, Koks und Nutten sind nicht mehr ganz so angesagt, seitdem Panda-Rapper Cro mit seinem „Raop“-Konfetti-Liebes-Gewitter die Betreuung der HipHop-Jugendlichen übernommen hat.

Nach wie vor ist der umstrittene Musiker aber weiterhin erfolgreich, nahm gemeinsam mit Sido und Peter Maffay ein Album auf („23“) und sorgte für Aufregung, als er im letzten Jahr den Integrations-Bambi gewann. Ob die beiden Rüpel-Rapper momentan wieder „Beef“ haben oder nicht, sei mal dahingestellt. „Wenn ich meine Seele verkaufe, dann muss wenigstens der Preis stimmen“, hat Bushido einmal gesagt und wenn es nur nach wirtschaftlichen Aspekten gehen würde, dann hätte der Rapper auf „AMYF“ alles richtig gemacht. Vielleicht ist Kollege Sido, der mittlerweile ganz seriös mit Brille und Pullunder auftritt, dabei auch einer der Auslöser für den dezenten Image-Wechsel Bushidos gewesen. Auf „AMYF“ präsentiert sich der Berliner „deeper“ als man es bisher von ihm gewohnt war. Da bekommt die Formulierung „vom Bordstein zur Skyline“ eine ganz andere Bedeutung. Der alte Straßenrapper scheint Stück für Stück zu verschwinden und was zurückbleibt, ist ein nachdenklicher HipHop-Musiker mit Migrationshintergrund, von der Gesellschaft ausgegrenzt und nicht akzeptiert. Oder so ähnlich. Wie gewohnt, katapultiert sich Bushido auch auf „AMYF“ in die bemitleidenswerte Opfer-Rolle, „gedisst“ vom bösen Deutschland („Euer bester Feind“).

Der Titel „AMYF“ steht vermutlich für die Initialen seines bürgerlichen Namens Anis Mohamed Youssef Ferchichi. Warum genau er diese Buchstabenkombination auf dem Cover als anspruchsvolle mathematische Gleichung untergebracht hat, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Was auch immer Bushido damit sagen möchte… es geht auf dem Album um Anis Mohamed Youssef Ferchichi. Egal ob in einem gefühlvollen Track über seine Tochter „Aaliyah“ oder im selbstmitleidigen „Ihr Habt Mich Gemacht“. Wer das bis zum Ende des Albums immer noch nicht verstanden hat, dem wird das Ganze in „Anis Ferchichi“ noch einmal ganz ausführlich erklärt. Natürlich darf bei einem Bushido-Album aber auch die Selbstbeweihräucherung nicht zu kurz kommen. Das beste Beispiel dafür: „Kleine Bushidos“, in dem Herr Ferchichi eigentlich nur darüber singt, dass die Welt voll von billigen Kopien seiner selbst sei. Natürlich.

Zu Gast sind Eko Fresh, Sido, Julian Williams und MoTrip, die sich vor allem um die positive Gesamtstimmung kümmern. Textlich hat sich einiges getan, in einem Schulzeugnis würde wohl stehen: „Er war stets bemüht.“ Tatsächlich ist erkennbar, dass an den Texten auf „AMYF“ sehr bewusst gefeilt wurde. In „Mitten im Leben“ greift der Rapper sozialkritische Aspekte auf und wühlt im deutschen Alltag. Ein bisschen erschreckend, viel mehr als die reduzierte Anwendung gewohnter Fäkalsprache, sind musikalische Ausreißer wie der sonnige Track „Grenzenlos“, mit Zeilen wie „Du bist der Mensch für, den’s sich zu leben lohnt“. Es wäre wohl ein bisschen zu weit vorgegriffen, würde man behaupten, Bushido sei jetzt reif und erwachsen geworden. Tatsächlich freut man sich über ein bis zweimal weniger „Arsch“, „Schlampe“ oder „Nutte“, doch bleibt auch „AMYF“ ein Album der mittleren Anspruchsklasse. Musikalisch und textlich weiterhin eher flach als ausgebufft, trotz allem aber besser als seine Vorgänger.

Anspieltipps:

  • Mitten im Leben
  • AMYF
  • Euer bester Feind

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