The Avett Brothers - The Carpenter - Cover
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The Avett Brothers The Carpenter


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch in der neuen Legislaturperiode setzen The Avett Brothers auf ihre musikalische Wohlfühlpolitik!

Die Avett-Brüder (inklusive „Ehrenbruder“ Bob Crawford) sind zurück. Rick Rubin sitzt abermals an den Reglern. Was soll da bitte schief gehen? Gefährlich erscheint höchstens, dass man sich wiederholen könnte. Aber nach dem Überraschungserfolg des ersten Albums gönnen sich die Brüder auf Silberling Nummer 2 die Größer-Schneller-Weiter-Attitüde. Da gibt es ein paar groß angelegte Rocknummern mit folkigem Stadionsound und überhaupt weniger zerbrechliche Momente, die an die behutsamen Beginne vor 2 Jahren erinnern.

Das kann und will man dem Trio allerdings gar nicht übel nehmen, wenn „The Once And Future Carpenter“ das Album derart fantastisch eröffnet. Von der ersten Note an verfliegen etwaige Sorgen auf Hörerseite und die weiche, glatt produzierte Melodie nimmt einen gefangen. Schon beim ersten Chorus wippt man fröhlich mit und wird auf angenehme Weise weggefegt, wenn eine Minute vor Schluss die Lautstärke aufgedreht wird und ein emotionales Forte die Glückseligkeit perfekt macht. Der Opener ist nah am perfekten Pop-Folk-Sound und macht es den anschließenden Nummern nicht unbedingt leicht.

So wirkt „Live And Die“ wie die auf Nummer sicher gehende Radio-Single. „Live And Die“ ist allerdings das erste Beispiel des sehr fein produzierten Albums dafür, wenn die Emotionen nicht so tief gehen. Irgendwie klingt der Sound des Ganzen zu brav und reibungslos, um hängenzubleiben. Dass der Sound der Band auch noch unter die Haut gehen kann, beweist „Winter In My Heart“ gleich im Anschluss und lässt „Live And Die“ etwas gesichtslos erscheinen. Überhaupt erscheinen manche Stücke wie Lückenfüller. Lückenfüller auf gutem Niveau, aber eben immer noch Lückenfüller. Nach der schön pathetischen Rockballade „Pretty Girl From Michigan“ klingt „I Never Knew“ wie eine Auflockerungsübung.

Auch der Unterschied im Sound fällt immer wieder ins Ohr, wenn „I Never Knew“ ohne Kanten und Ecken ins Ziel sprintet, wogegen die Balladen wie z.B. „February Seven“ und „Through My Prayers“ authentischer und emotionaler im Klang sind. Auch die Verlagerung im Mittelteil des Albums, der sämtliche Rockeinlagen verbietet, wirkt ein wenig ermüdend und lässt die gelungene Interlude „Geraldine“ wie einen Fremdkörper erscheinen, dessen eigentliche Aufgabe nur die Einleitung der Stadionfolkrocknummer „Paul Newman Vs. The Demons“ zu sein scheint. Solche kleinen Unstimmigkeiten fallen gerade im Vergleich zum Debüt auf und schmälern den Genuss ein wenig. Das Ergebnis ist aber immer noch sehr hörenswert und besonders der eine oder andere Rockausflug zeigt Potential auf. Die Gefahr der Abflachung offenbart sich daneben allerdings genauso prägnant und lässt schon jetzt ein Hoffen und Bangen um Album Nummer 3 beginnen.

Anspieltipps:

  • The Once And Future Carpenter
  • Paul Newman Vs. The Demons
  • Through My Prayers

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