Tift Merritt - Traveling Alone - Cover
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Tift Merritt Traveling Alone


  • Label: Yep Roc/H'ART
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Tift Merritt singt wie ein vom Himmel gefallener Engel: Americana aus einem Guss!

Die in Houston, Texas, geborene Singer/Songwriterin Tift Merritt verdiente sich - Achtung Wortspiel - erste Meriten in der Band Two Dollar Pistols, um mit „Bramble Rose“ (2002) ein herausragendes Solo-Debüt zu veröffentlichen. Ihr weiterer Output bestätigte ihre außergewöhnliche Kreativität, die nun mit dem aktuellen „Traveling Alone“ den Bogen zurück zu ihrem Debütalbum spannt. Hierfür scharte sie einige spezielle und hochprofessionelle Mithelfer um sich. Die Saitenspielereien teilten sich Marc Ribot und Eric Haywood, die mit exzellenten Variationen an Lap & Pedal Steel, Ukulele, akustischen und elektrischen Gitarren aufwarten. Hierzu agieren Jay Brown am Bass und John Convertino von Calexico an Schlagzeug und Percussion, die beide einen fein gewebten Rhythmusteppich ausrollen. Tucker Martine hat das Ganze in ein transparentes und raumgreifendes Klangkleid gehüllt, das die wunderbare Stimme der Protagonistin in den Mittelpunkt hebt.

Die Stimme der Texanerin berührt den Hörer zutiefst, sie versprüht ihren Zauber mitten in Herz und Seele. Die spürbare Authentizität wird bereits mit den ersten Tönen des zu Beginn stehenden Titelsongs gewahr. Das sanft über der Erde schwebende Klangbild wird ein erstes Mal eins mit den zärtlich vibrierenden Phrasierungen Merritts. All dies setzt sich auf „Sweet Spot“ fort und findet in „Drifted Apart“ einen weiteren Höhepunkt. Ein nahezu perfekter Americana-Song, der einen tief in die Stimm- und Klangwelt des Albums hineinzieht und eine schrecklich schöne Wahrheit preisgibt: „The quiet settling of the night, / It always comes to this. / You answer to yourself in the dark, / That’s where everyone lives.“ Naturgemäß singt Merritt nicht nur diese Zeilen wie ein vom Himmel gefallener Engel. Die Harmoniestimme und Violine übernimmt auf „Drifted Apart“ kein Geringerer als Andrew Bird.

Die Streicher auf dem sehnsüchtigen „Small Talk Relations“ spielten die y Music Strings ein und Rob Burger setzte auf dem zerbrechlichen „Spring“ mit Wurlitzer und Mellotron vorsichtige Akzente. Tift Merritt und ihre Mitstreiter machen alles richtig: Americana aus einem Guss. „Traveling Alone“ ist wie ein Gemälde, das mit viel Ruhe, Spirit, Inspiration und graziösen Pinselstrichen auf die Leinwand getupft wurde. Tift Merritt schüttet ihr Herz aus und bricht die unseren. Dabei gelingt es ihr, auf Gefühlsduseleien zu verzichten und bleibt immer wahrhaftig. Wenn sich der geneigte Leser nur ein einziges Singer/Songwriter-Americana-Album 2012 zulegen will, muss seine Wahl auf „Traveling Alone“ fallen. Am besten in der Vinyl-Version, die im Klappcover daherkommt und deren zwei Scheiben auf 45rpm abgespielt ein zusätzliches Klangerlebnis zeitigen. Zudem sind alle Texte abgedruckt und das Artwork ein Genuss für sich!

Anspieltipps:

  • Traveling Alone
  • Drifted Apart
  • Small Talk Relations
  • Spring

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