Steve Harris - British Lion - Cover
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Steve Harris British Lion


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Dem Maiden-Bassisten sei der Soloausflug gegönnt. Was er sich aber bei dem schwachbrüstigen Sänger und der drucklosen Produktion gedacht hat, bleibt ein Geheimnis.

Wenn man sich vor Augen führt, dass Steve Harris nicht nur Bandchef und unerschöpfbare Quelle der Ideen Iron Maidens ist, dann wird klar, dass ein Soloausflug längst überfällig war. Seine Kollegen, allen voran Bruce Dickinson, haben schließlich auch schon in fremden Revieren gewildert. Dickinson so sehr, dass er Mitte der 90er-Jahre gar mehr und mehr versuchte, sich vom Metal abzuwenden, bis er letztendlich die halbgaren Versuche des Alternative Rock zur Freude seiner Fans wieder gegen Metal austauschte. Dann die Reunion mit Maiden, der zweite Frühling jener Band – der Rest ist Geschichte. Was darf man also von Steve Harris erwarten? Er ist wie erwähnt, einer der großen Mastermind des Metal-Schlachtschiffs und für seine bombastischen und leicht melancholischen Kompositionen bekannt, von denen etliche zu Fanlieblingen avancierten. Beste Voraussetzungen also, sich auf einen zehn Track starken Marathon seines songwriterischen Könnens freuen zu dürfen? Pustekuchen!

„British Lion“, so der Name seiner ersten Soloplatte, ist definitiv nicht ein purer und reiner Harris, der seinen eigenen Stil von Iron Maiden löst, um diesen konzentriert und ohne Vetos seiner Kollegen in die Ohrmuscheln seiner Fans zu transportieren. Zum Titel „British Lion“ rechtfertigt sich Harris übrigens damit, dass er sagt, er sei schon immer stolz, Brite gewesen zu sein und es insgesamt genau in den Sound, den er erreichen möchte, passt. Ist dies vielleicht eher eine Rechtfertigung dafür, dass sich Steve Harris wie schon einst Bruce Dickinson auf seinem Soloalbum klar von seiner Hauptband distanzieren will? Letztendlich ist der Sound (mal abgesehen davon, dass er in Punkto Produktion trotz der Koryphäe Kevin Shirley am Mischpult, stellenweise unteriridisch klingt) anders, als man es von einem Komponisten, der „Rime Of The Ancient Mariner“, „When The Wild Wind Blows“ oder „Hallowed Be Thy Name“ geschrieben hat, letztendlich erwartet.

Somit wird sich der eine oder andere Fan von Harris und Maiden, der tatsächlich eine Alternative zur größten Metal-Band des Planeten unter dem Namen des Bassisten erwartete, für seine Naivität selbst in den Podex treten. „British Lion“ ist nämlich das, was ein Soloalbum sein sollte. Die Ideen für neue Maiden-Songs behält Harris im Tresor und denkt gar nicht daran, sie für seinen Soloauftritt zu „verschwenden“. Stattdessen macht er von seinem Recht Gebrauch, Stücke zu schreiben, die irgendwo zwischen Heldenverehrung und eigener musikalischer Identität zu finden sind. Wie sehr man sich auch sträuben mag, genau das zu akzeptieren: Steve Harris macht sein Ding konsequent und, wie erwähnt, im Sinne eines Soloalbums, sinnvoll. Zwischen Hardrock, AOR und der beliebten, ureigenen Metal-Interpretation, funktioniert „British Lion“ am besten, wenn sich die Songs Einflüsse von allen Seiten holen und diese homogen miteinander verbinden. „Lost Worlds“, „Us Against The World“, „These Are The Hands“, aber auch die ungewöhnliche, sehr ruhige Ballade „The Lesson“ machen alles richtig und zeugen von der Klasse des Maiden-Bassisten. Auf der anderen Seite stehen Songs, die bestenfalls langweilig und unspektakulär („This Is My God“, Karma Killer“), im schlechtesten Falle aber vollkommen uninspiriert sind („A World Without Heaven“, „The Chosen Ones“).

Zumindest bei der einen oder anderen Komposition hätte ein guter Sänger noch einiges rausholen können. Es steht nicht zur Debatte, dass Bruce Dickinson für viele Fans wohl die erste Wahl, diese aber natürlich kompletter Unsinn, gewesen wäre. Stattdessen übernimmt Vokalist Richard Taylor den Job hinter dem Mikro und scheitert kolossal. Ihm ist zu verdanken, dass so mancher Track gewaltig an Qualität verliert. Harris hätte mit seiner Reputation wirklich jeden Sänger haben können. Warum setzt er Richard Taylor ein? Dieser ist schwachbrüstig und vom Stil mit diversen 80er-Jahre AOR Sängern zu vergleichen. Und zwar mit den schwächeren. Dank ihm wünscht man sich im Nachhinein, „British Lion“ wäre doch ein rein instrumentales Album geworden. Das ist es aber leider nicht. Und so zieht Taylor so ziemlich jedes Lied weiter nach unten und verhindert Steve Harris somit ein eigentlich ordentliches Solodebüt mit Leichtigkeit. Wer nämlich genau hinhört und den Schatten Maidens ignoriert, findet immer noch ein recht nettes Album, welches wirklich nicht mehr sein will, als es ist. Produktion und der unsägliche Gesang trüben den Genuss aber dann doch zu deutlich...

Anspieltipps:

  • Us Against The World
  • These Are The Hands
  • The Lesson

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