Tori Amos - Gold Dust - Cover
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Tori Amos Gold Dust


  • Label: Deutsche Grammophon/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Klassische Opulenz trifft intime Kompositionen: „Gold Dust“ ist nicht weniger als die stilvolle Werkschau einer großen Künstlerin. Aber auch nicht mehr als das.

Es wirkt vollkommen schlüssig, dass Tori Amos im gefühlten Herbst ihres Schaffens auf ein Orchester trifft. Bereits als Fünfjährige erhielt sie ein Stipendium am legendären Peabody-Konservatorium in Baltimore. Die klassische Ausbildung in Gesang und Klavier brach sie jedoch im Alter von 11 Jahren ab, es folgte die Hinwendung zu populärer Musik. Der erste Nachweis ihres durchaus eigensinnigen Wesens, das später Grundlage einer so ungewöhnlichen wie erfolgreichen Karriere sein sollte.

Nach ihrem Welterfolg mit dem Werk „Under The Pink“, ausgelöst durch die Single „Cornflake Girl“ - auf die sie bei den Orchesteraufnahmen indes verzichtet -, hatte Amos offenbar genug Geld verdient, um sich mit jenen Dingen befassen zu können, die ihr wirklich am Herzen lagen. Ihre Musik wurde spezieller, unzugänglicher und entsprechend weniger kommerziell. Und eben auch wieder klassisch: Im Jahre 2011 veröffentlichte sie auf Deutsche Grammophon den Liedzyklus „Night Of Hunters“. Auf diesem variierte und vertonte sie Motive klassischer Komponisten. Diesen Weg zurück zu ihren Wurzeln setzt „Gold Dust“ nun fort, mit dem sich Amos ihren Kindheitstraum erfüllt und an der Seite eines Orchesters spielt.

Doch in der Rolle der Konzertpianistin versteht sich die Amerikanerin nicht wirklich als Teil eines Ensembles: Zu dominant erklingt im Zusammenspiel mit dem Metropole Orchestra ihr Klavierspiel. So entstehen keine wirklich neuen Arrangements ihrer Titel. Vielmehr verharren diese meist sehr nah am jeweiligen Original, das Orchester ergänzt die Kompositionen zwar, beeinflusst deren (ohnehin meist opulent angelegten) Grundcharakter jedoch kaum. Lediglich das musikalische Kleinod „Programmable Soda“ lotet die orchestralen Möglichkeiten tatsächlich aus. Vorlaute Flöten, gegen den Strich gebürstete Bläsereinsätze und beschwingt-verspielte Streicher verleihen diesem einen Song das, was jedem anderen der Lieder fehlt: Einen wirklich veränderten und deshalb „aufregenden“ Rahmen. Bei den restlichen Songs täuschen auch vereinzelte Spielereien - wie ein pompöses Intro für „Yes, Anastasia“ - nicht darüber hinweg, dass es letztlich doch immer der Bösendorfer-Flügel von Amos bleibt, der die Richtung vorgibt.

Es sei eingestanden, dass in dieser Rezension auf hohem Niveau gejammert wird: Stimmlich und im Bezug auf ihren künstlerischen Anspruch zählt Tori Amos zu den unbestreitbaren Größen des Geschäfts. Und „Gold Dust“ ist fraglos eine stilvolle und unterhaltsame Werkschau. Doch mit etwas mehr Mut zur Veränderung hätte es eben noch deutlich mehr sein können als dies.

Anspieltipps:

  • Programmable Soda
  • Flying Dutchman
  • Yes, Anastasia

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