Devin Townsend Project - Epicloud - Cover
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Devin Townsend Project Epicloud


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Metal, Prog und Pop mit allem Drum und Dran und doch ganz anders als man es jemals von Hevydevy gehört hat.

„Man bezeichnet mich immer als den 'abgedrehten Professor', den 'verrückten Wissenschaftler' und 'Psycho-Devin'. Das ist totaler Bullshit, weil ich überhaupt nicht verrückt bin. Ich bin die vernünftigste Person, die ich kenne.“ Zitat, Devin Townsend.

Ob Townsend nun tatsächlich der „verrückte Professor des Metals“ ist oder nicht ist eine der Fragen, die man sich im Bezug auf den Ausnahmemusiker immer wieder stellt. Auch wenn sich der gute Devin immer wieder von solch inoffiziellen Titeln distanziert, hat er diese mitsamt einem Exzentrikerstatus in gewisser Hinsicht doch verdient. Ob nun seine ehemalige Band Strapping Young Lad, auf Solopfaden als schlicht und ergreifend Devin Townsend (inklusive dem Kaffeejunkie und Weltenzerstörer Ziltoid The Omniscient), als Gastmusiker oder im Rahmen seines Devin Townsend Projektes: Hevydevy ist von ganzem Herzen Musiker, was Outputs betrifft sehr fleißig und stets darum bemüht dem Hörer etwas Neues zu bieten. Man kauft Townsend trotz der häufigen Re-Invention seines Sounds, eben jene mit Freude und Spannung immer wieder ab. Aus Notwendigkeit passiert nichts, Progressive Metal als Genre ist nur ein wohlwollend gewählter Fixpunkt, den man Townsends Experimenten gegeben hat, damit er berechenbarer wird.

Aber er ist nicht berechenbar. Er ist es nicht und war es nie. Und „Epicloud“ überrascht nicht damit, dass es sich eben um ein überraschendes Album handelt. Wirklich erfassen kann man den Sound nur, wenn man zurückliegende Longplayer von Devin Townsend kennt und in ein Gesamtkonzept einbringen kann. Denn „Epicloud“ ist ganz anders als andere Veröffentlichungen des Musikers und gleichzeitig extrem vertraut und tief in dem musikalischen Stil Townsends verankert. Metal findet sich auf dem fünften Album des Devin Townsend Projects nur rudimentär und dann auch nur im Rahmen von bombastischen Wall of Sounds. Stattdessen genießt es der Kopf hinter dem Projekt mit allerlei Genres und Ideen zu jonglieren. Direkt am Anfang verblüfft „Effervescent!“ mit einem Gospelchor. Das in der Relation zum restlichen Material auf „Epicloud“ recht brachiale „Angel“ knüpft in den letzten Sekunden genau am Opener an und gibt dem Album einen ungewöhnlichen doch mitreißenden Rahmen.

Doch Devin wäre nicht Devin, wenn er nicht noch einige Asse im Ärmel hätte. Ausflüge in Richtung Pop lassen vergessen, dass der Multiinstrumentalist jemals seiner Wut in Form von Starpping Young Lad ein Ventil gegeben hat. Gerade zwischen beiden Bands, zwischen einem beliebigen Album von seiner einstigen Gruppe und „Epicloud“ befindet sich eine tiefe und lange Kluft, die am jeweiligen Ende eine Extreme haben. „Divine“, „Hold On“ und besonders „Save Our Now“ sind astreine Popsongs, die im lokalen Radio zu keiner Zeit zu einen Kulturschock führen würden. Mit „Lucky Animals“ verbindet Townsend sogar The Beatles mit Leonard Bernstein und Metal Riffs. Songs wie „True North“, „Liberation“ und „More!“ sind härter, haben vereinzelt sogar Growls, bieten den gewohnten Groove und den warmen aber mitunter wohl gewollt trockenen Sound. Unterstützung kriegt das Devin Townsend Project übrigens von Anneke van Giersbergen, die nach ihrem Ausstieg bei The Gathering erneut beweisen kann, dass sie härterer Musik nicht den Rücken gekehrt hat. Starke Leistung auch von ihr!

Wem kann man „Epicloud“ denn nun ans Herz legen? Das ist eine schwere Frage, denn selbst Fans von Devin Townsend spalten sich in ihre eigene, unterschiedliche Lager und essen noch lange nicht alles, was ihnen ihr Held auftischt. „Epicloud“ ist zu 100% Devon Townsend, aber doch ganz anders. Die-Hard Metaler werden damit unter Garantie nicht glücklich werden, Pop-Hörern ist das ab und an aber viel zu krass (ganz zu Schweigen von den Wall of Sound-Monolithen, die das Ohrenschmalz aus den Gehörgängen pusten) und Progger hören zu wenig Prog heraus. Wirklich zufrieden werden nur aufgeschlossene Hörer. Dann zündet „Epicloud“ nämlich richtig heftig. In der Diskographie Townsends ist dieses Machwerk ganz weit an der Spitze anzusiedeln.

Anspieltipps:

  • Effervescent!
  • Lucky Animals
  • Save Our Now
  • More!
  • Hold On
  • Angel

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Shehili
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