Ashent - Inheritance - Cover
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Ashent Inheritance


  • Label: Lion Music/H'ART
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Prog-Metal für den Herrn, der schon alles hat und alles haben muss.

Wie einst beim Power Metal, zeichnete sich beim Prog Metal über die Jahre ein ganz bestimmtes Muster ab. Während der Power Metal mit immer opulenteren Cover Artworks (Drachen, Krieger, Schwerter, alles natürlich in Hochglanz-Optik) und dem Hinwenden zum Symphonic Metal zumindest in einer Ecke des Subgenres ein Standard/eine Regel etablieren konnte, machte es der Progressive Metal ganz ähnlich. Statt Fantasy haben wir seit dem Boom ab der zweiten Hälfte der Nullerjahre grundsätzlich abstrakte und surreale Artworks (alles natürlich in Hochglanz-Optik), darunter die passenden Lyrics (Innere Konflikte, Beziehungen, Bewusstsein, Grenzerfahrungen usw.) sowie ein musikalisches Gerüst, welches den ursprünglichen Sinn des progressiven Metals immer weiter abbaute und zur Regel anstatt Ausnahme verkommen ließ. Wir erinnern uns: Dream Theater waren damals mit ihrem Referenzwerk Images And Words noch frisch. Aber Zeiten ändern sich und die Zeit macht auch vor einer musikalischen Strömung nicht Halt. Zehn Jahre später strömen aus der ganzen Welt Gruppen, die sich an diesem Werk orientieren und eigentlich nur wieder und wieder variieren.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Ashent sind keine. Die Italiener spielen ihr „Inheritance“ irgendwo zwischen den erwähnten Dream Theater und Redemption, in den technischeren Momenten dann klar mit Sieges Even-Einschlag und wenn es atmosphärischer werden soll, halten eben die Polen von Riverside her. Alles, was Titta Tani (Gesang, ex-Dreamscape), Gianpaolo Falanga (Bass), Gilles Boscolo (Keyboards, Saxophon), Ivan Moni Bidin (Schlagzeug), Onofrio Falanga und Alessandro Cossu (beide Gitarre) auf ihren nunmehr dritten Longplayer gepackt haben, lässt sich wie ein offenes Buch lesen. Zumindest musikalisch lässt man sich natürlich nicht lumpen. Natürlich, Ashent sind Vollblutmusiker. Anders hätte ihr fröhlicher Ausflug durch die Historie des Progs auch gar nicht funktioniert. Und so werden Kompositionen wie die atmosphärisch dichten „Fractual“ und „The Starving Litany“, das ultra-virtuose „La Danzatrice Scalza“ oder metallische Klopper wie „Shipwrecked Affair“ zumindest mit dem gewissen Mindestmaß an Expertise und Können hinter Mikro und Instrument makellos dargeboten. Der seltene Einsatz des Saxophons ist hinsichtlich jener Seltenheit sogar fast schon so etwas wie innovativ.

Um den Fan der progressiven Knüppelkunst hinterm Ofen hervorzulocken, müssen sich Ashent aber noch gehörig anstrengen. Man vermisst trotz des hohen spielerischen Niveaus und dem durchaus gelungenem Songwriting die Eigenständigkeit ganz bitterlich. Mit ihrem Wildern in so ziemlich allen Territorien des Progressive Metals verpassen es die Italiener ihrer Musik einen eigenen Stempel zu verpassen. Ein Blechbläser allein reicht da kaum aus. Und letztendlich sei gesagt, dass es solch überbordenden Hommagen und Verneigungen vor Idolen sind, die den ursprünglichen Sinn der progressiven Musik null und nichtig machen. „Inheritance“ ist Special Interest für Sammler und beinharte Genrefans. Oder für Leute, die mit dem Progressive Metal bisher noch keine Berührung hatten. Aber die haben ja Dream Theater...

Anspieltipps:

  • Shipwrecked Affair
  • Fractual
  • La Danzatrice Scalza

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