Venturia - Dawn Of A New Era - Cover
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Venturia Dawn Of A New Era


  • Label: Lion Music/H'ART
  • Laufzeit: 39 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Elfe am Mikro ist noch lange kein Allheilmittel für schwächelnden Metal.

Wenn der Begriff „Female Fronted Metal“ fällt, kommen einen natürlich zuallererst die üblichen Verdächtigen in den Sinn: Nightwish, Lunatica, Within Temptation. Unter Umständen aber auch Doro, Arch Enemy oder The Mystery. Fakt ist, dass Metal mit Frauengesang schon lange kein Novum mehr ist und jeder bestätigen wird, dass die besseren Hälften eines Bandgeflechts seit vielen, vielen Jahren voll integriert sind. Und dennoch fällt der unsägliche Begriff „Female Fronted“ immer wieder. Venturia aus Frankreich machen da keine Ausnahme. Charly Sahona (Gitarre, Keyboards), Franck Hermanny (Bass, Adagio), Frédéric Marchal (Schlagzeug, Neuzugang) holten sich mit Lydie Robin kurzerhand eine Dame hinter das Mikro. Mit ihr spielt man „Dawn Of A New Era“ als Nachfolger von ihren Alben „The New Kingdom“ (2006) und „Hybrid“ (2008) ein. Ob der vermeintliche Frauenbonus da etwas nützt?

Eine gute Frage, denn Venturia funktionierte in der Vergangenheit auch mit einem Herren (Marc Ferreira) nicht anders als auf „Dawn Of A New Era“. Venturia, das ist leicht angeproggter Metal, der seine Melodien nur all zu gerne in einem Wulst aus vermeintlich vertrackten und unzugänglichen Arrangements begräbt, damit alles auch schön progressiv klingt. Die Idee lässt sich direkt im Opener „Devil In Disguise“ einfach rekonstruieren: Wir haben eine schönen Ohrwurm-Refrain, fette Riffs und Lydie Robins engelsgleichen Gesang. Eigentlich ein guter Ausgangspunkt für guten Metal. Jedoch erstickt unsinniges Keyboard-Geblubber jeden der guten Ansätze im Keim. Damit haben sich Venturia eine Krankheit eingefangen, die fast alle sieben Nummern auf „Dawn Of A New Era“ in Ansätzen verschlechtert. Leidglich „Secret Dream“ und „What If I“ lassen aufhorchen. Hier orientiert man sich klar an Evanescence und das sogar ziemlich gut. „Spiritual Path“ hingegen ist eine opulente Powerballade, die sich immer weiter hochschaukelt und im Klimax Kamelotsche Sphären, leider aber nicht deren Klasse, erreicht. Vokalistin Robin schafft glücklicherweise den ein oder anderen Malus in Punkto Songwriting mit ihrer wirklich großartigen Stimme zu kaschieren.

Wird Venturias dritter Longplayer dadurch automatisch besser? Nein, denn sie ist nur so stark wie das schwächste Glied der Kette. Ihre Kollegen sind zwar gute Musiker, aber insgesamt vermisst man die Substanz, das Homogene, das euphorische Hoch, welches uns Venturia so sehr versprochen haben. Insgesamt gesehen ist „Dawn Of A New Era“ leicht unter dem Durchschnitt. Das ist gerade deshalb schade, weil die Band an sich auf der technischen Seite exquisit ist und die Wahl der „Female Fronted“ ein Glücksgriff war. Lydie Robin ist nicht das, was man eine Ausnahmesängerin nennt, spielt aber mit dem was sie macht und sein will, in einer hohen Liga. Wenn man sich daran erinnert, dass das dritte Werk eines Künstlers oder einer Band stets unter dem Motto „Make it or break it“ daherkommt, dann schlittern Venturia haarscharf eben an dieser Maxime vorbei. Sie direkt abzuschreiben wäre hingegen falsch: Das wäre schon um die Sängerin schade.

Anspieltipps:

  • Secret Dream
  • What If I
  • Spiritual Path

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