Book Of Reflections - Relentless Fighter - Cover
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Book Of Reflections Relentless Fighter


  • Label: Lion Music/H'ART
  • Laufzeit: 47 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Power Metal, der eigentlich kein Power Metal ist: Höchst Virtuoses, aber orientierungsloses Output, das unter seinen eigenen Ansprüchen erdrückt wird.

Die Interpretation des Power Metals kann teilweise schon obskure Formen annehmen. Da gibt es Ausflüge in A capella (Van Canto), Power Metal mit Cowboyhut (Dezperadoz) oder aber das Genre streckt wie ein Kraken seine (weitaus mehr als) acht Arme aus und greift sich so ziemlich jedes zweite Subgenre des Metals um es zu bereichern oder auch nicht. Lars Eric Mattsson, seines Zeichens Saitenhexer und Thinking Head von Book Of Reflections ist so ein Octopus. Nach zwei bereits erscheinenden Studioalben greift er wieder zu und verwirklicht seine ganz eigene Idee von Power Metal.

„Relentless Fighter“ macht zumindest in der Hinsicht, dass unbarmherzig darauf verzichtet wird, dem Hörer eine klare Struktur zu bieten, seinem Namen alle Ehre. Die zehn Songs auf dem Album bestechen allesamt mit einer ungeheuren Virtuosität an den Instrumenten, allen voran an der Gitarre, wirken aber wie aneinandergereihte und zusammengeklebte Fragmente aus den Jamsessions. Über allem scheint der melodische aber durchaus nüchterne Sound der Schwedischen Power Metal Schule (z.B. Narnia oder Divinefire), welcher aber durch Abstecher in den Prog Metal, den artverwandten Neo-classical Metal und sogar Shred und Fusion, weichen muss. Das Ergebnis ist höchst professionell, aber blutarm und ohne roten Faden. Book Of Reflections wollen experimentell wirken, bieten letztendlich aber nur Kompilationsversuche.

So ist der Opener „Until The Day“ noch ein echter Appetitanreger, der sich zu einer echten Hymne inklusive Doublebass, tollen Melodien und allem Drum und Dran mausern will, letztendlich aber im Sumpf von Gefrickel untergeht. Als kleines Element im Songwriting hat so etwas durchaus seine Daseinsberechtigung und macht Spaß, aber die folgenden Kompositionen leiden eher darunter als dass sie Nutzen aus der Fähigkeit Mattssons ziehen. Lediglich „Rise Up“ mit seinem tatsächlich genialen Einsprengsel von Mattssons Fähigkeit Klassik auf der Gitarre zu spielen (am ehesten Vergleichbar mit Luca Turilli von Rhapsody Of Fire oder Luca Turilli's Rhapsody) und das abgefahrene „Dance With The Devil“ wissen auf ganzer Linie zu überzeugen. Ebenfalls toll ist „Gates To Oblivion“: Man ist sich gegenüber zumindest so ehrlich, dass man auf Gesang komplett verzichtet und das anscheinende Konzept von „Relentless Fighter“ ohne Fremdkörper eine homogene Ausrichtung bekommt. Denn die zwei Vokalisten Markku Kuikka (Status Minor) und Carsten Schulz (Evidence One, ex-Domain) wissen trotz all ihrem Können oftmals kaum das Gewicht der Instrumente zu stemmen.

„Relentless Fighter“ leidet darunter mehr sein zu wollen, als es wirklich ist. Zum einen versprechen die Songs, dass man seinen Nacken zu ihnen quälen kann und kommen druckvoll und melodisch daher. Zum anderen werden sie durch die vielen Einfälle und Ideen regelrecht verschlimmbessert. Weniger ist meistens doch mehr. Und so sitzt der gute alte Power Metal zwischen den Stühlen und weiß nicht so recht, wen er in Form von Book Of Reflections wirklich ansprechen will. Progger kriegen interessanteres Material, Fans von Gitarrenrock werden sich am Gesang stören und Power Metaller am Gefrickel aus Notwendigkeit (dabei ist das Cover Artwork doch so passend). So richtig wo's langgehen soll, weiß aber keiner...

Anspieltipps:

  • Until The Day
  • Dance With The Devil
  • Rise Up!
  • Gates To Oblivion

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