Kaipa - Vittjar - Cover
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Kaipa Vittjar


  • Label: Insideout/EMI
  • Laufzeit: 60 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Retro Prog, der seine besten Zeiten schon hinter sich hat.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Kaipa wird immer das Baby von Tausendsassa Roine Stolt (The Flower Kings, The Tangent, Karmakanic, Transatlantic und tausend andere) bleiben. Auch dann, wenn Stolt seit 2005 gar nicht mehr in Kaipa aktiv ist und das Feld seinen einstigen Mitstreitern Hans Lundin (Gesang, Keyboard), Per Nilsson (Gitarre), Morgan Ågren (Schlagzeug), Jonas Reingold (Bass) sowie den zwei Vokalisten Patrik Lundström (Ritual) und Aleena Gibson überlassen hat. Letztendlich ist die Band seit 1974 eine feste Instanz im progressiven Rock und hat besonders die skandinavische Szene (z.B. Änglagard, Anekdoten, Opeths „Damnation“ oder „Heritage“) geprägt wie kaum eine andere Band. Da ist es natürlich schwer noch innovativ oder relevant zu sein. Ob nun das Verlassen Roine Stolts Segen oder Fluch war, soll jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass „Angling Feelings“ eher zwiespältig aufgenommen wurde

Kaipa verbiegen sich dennoch nicht, sondern machen das, was sie am besten können. „Vittjar“ ist ein Album, welches man von ihnen erwartet hat. Klassischer Prog trifft auf schwedischen Folk. Nicht mehr und nicht weniger, zweifelsohne handwerklich meisterhaft, aber weder neu noch überraschend oder im progressiv im eigentlichen Sinne. Dafür kriegt der Fan alle Zutaten, um sich heimisch zu fühlen. Will heißen: Longtracks voller Abwechslung, die zwischen gutem Songwriting und Komplexität aus Notwendigkeit hin- und hergerissen sind. Die hohe Kunst lange Songs zu schreiben, die nicht langweilen und ihre Ideen dem Hörer sinnvoll verkaufen können, ist und bleibt einfach die Königsdisziplin im Prog. Das 20-minütige „Our Silent Ballroom Band“ ist da trotz tollen Ansätzen knapp fünf Minuten zu lang. Gefällige Flöten-Einsprengsel helfen da eben so wenig wie der Gesang von Aleena Gibson, die trotz ihrer Festanstellung als Sängerin immer nur wie das schmückende Beiwerk wirkt. Ihr Kollege Patrick Lundström ist da sehr viel dominanter und markanter und stiehlt ihr regelrecht die Show. Interessanterweise ist seine Band Ritual in der Hinsicht Retro Prog mit Folk zu verbinden sehr viel spannender als Kaipa. Und das gilt auch für das Schreiben von Longtracks.

Sehr viel besser als „Our Silent Ballroom Band“ funktionieren da schon das verträumte „Treasure-House“, der folkige Titelsong sowie „The Crowned Hillsides“, welches durchaus den Status als Herztrack des Albums verdient hätte, aber auch so begeistern kann. Die guten und weniger guten Ideen halten insgesamt die Waage. „Vittjar“ besticht somit eher mit Masse als mit Klasse. Das Wegrationalisieren von einigen Fillern, egal ob nun als gesamter Song oder lediglich als Passage im ein oder anderen Song, hätte dem Album gut zu Gesicht gestanden. Was bleibt ist ein mittelmäßiges Album, welches erneut nicht an die glorreichen Zeiten von Kaipa heranreichen kann.

Anspieltipps:

  • Vittjar
  • Treasure-House
  • The Crowned Hillsides

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