Beardfish - The Void - Cover
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Beardfish The Void


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 70 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ihr bestes und innovativstes Album seit „Lost In Translation: Part One“.

Wenn man sich mal vor Augen führt, dass die Retro Prog Szene trotz all ihrer Daseinsberechtigung eigentlich nur deshalb besteht, um den ewigen Gestrigen ein Stück Nostalgie zu bieten und Bands wie King Crimson, Gentle Giant oder Van der Graaf Generator ihre glorreichen Zeiten längst hinter sich haben, dann ist es immer wieder verwunderlich, dass die Herren von Beardfish gar nicht mal so alte Hasen sind (die Relation macht's) und man ihnen durchaus zutrauen könnte eine modernere Spielart des Progs zu präsentieren. Nun ist es aber tatsächlich so, dass sich die Schweden seit jeher zwischen Wilson (Procupine Tree) und Stolt (The Flower Kings) bewegen und ihren ganz eigenen Stil und Charakter haben: Ein Vorteil, im Wald, den man vor lauter Bäumen gar nicht mehr als solchen erkennen kann. Dennoch hatten sie schon immer die Genrebezeichnung Retro Prog. Scheinbar als Alibifunktion. Schon auf Vorgängern wie „Destined Solitaire“ und besonders „Sleeping In Traffic: Part One“ bewiesen sie Eigenständigkeit. Nach dem eher durchwachsenen „Mammoth“ finden Rikard Sjöblom (Gesang, Keyboard), David Zackrinsson (Gitarre), Robert Hansen (Bass) und Magnus Östgren (Bass) zur alten Stärke zurück und schaffen es in Form von „The Void“ quasi einen Gesamtüberblick über ihr Schaffen zu bieten.

Auch wenn die bärtigen Fische auch schon in der Vergangenheit mit metallischen Elementen gespielt haben, sind diese auf „The Void“ so stark wie noch nie vertreten. Direkt am Anfang schlackern demjenigen, der einen 70er-Sound erwartet, die Ohren. „Voluntary Slavery“, „Turn To Gravel“ oder auch „This Matter Of Mine“ lassen es ordentlich scheppern und bieten vereinzelt sogar Growls, die stark an die von Opeths Mikael Åkerfeldt erinnern, allerdings zu keiner Zeit deren Dominanz einnehmen. Klassischer Prog trifft hier auf Metal und sogar Alternative Rock. Und bleibt dabei trotzdem immer klassischer Progressive Rock mit all seinen Eigenschaften und Trademarks. Am besten lässt sich das im sehr psychedelischen und verspielten „Seventeen Again“ erkennen, welches mit seiner Grundstimmung als klare Hommage an Genesis zu Zeiten von „Selling England By The Pound“ oder auch die legendären King Crimson zu verstehen ist. „The Void“ versucht viele Welten zu vereinen und schafft es besser denn je. „Ludvig & Sverker“ zum Beispiel ist ein einzigartiger Hybrid aus klassischem Prog, trockenem Riffing und sogar loungigen (!) Momenten, während „He Already Lives In You“ immer wieder zwischen hart und leicht funkig pendelt und die angestaute Anspannung schließlich in einem orgasmischen Hammondsolo entlädt. Mit „Note“ folgt der obligatorische Longtrack und Zenit: Das ist Quintessenz von allem, was Beardfish jemals gemacht haben. Ganz großes Tennis!

„The Void“ ist ein Album, was glücklicherweise auf Regeln und Stillistika pfeift. Und gerade das ist es, was den Begriff „progressiv“ letztendlich auszeichnet. Irgendwo zwischen dem Retro Prog zu welchem Beardfish immer gezählt wurden, Procupine Tree, Pain Of Salvation, (Smooth-) Jazz, aber hauptsächlich vielen eigenen, originellen Einfällen ist „The Void“ einzuordnen. Anstatt sich zu orientieren, angeln sich die Fische selbst aus dem Wasser und beschaffen sich einen Blick über die Strömungen. Lange Bärte haben sie dabei gottlob nicht. Im Gegenteil: Sie sind frisch rasiert, eigenständiger denn je und haben das letzte Mal auf „Sleeping In Traffic: Part One“ so gut geklungen. Liebhaber von wahrhaft progressiver Musik kommen da einfach nicht vorbei!

Anspieltipps:

  • Voluntary Slavery
  • This Matter Of Mine
  • Seventeen Again
  • Ludvig & Sverker
  • Note

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