Stealing Axion - Moments - Cover
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Stealing Axion Moments


  • Label: Insideout/EMI
  • Laufzeit: 76 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Wechselbad der Gefühle: Ein komplexes, modernes Prog- und „Djent“-Metal-Monstrum zwischen Melancholie und brachialen Wutausbrüchen.

Wenn eine Spielart (Genre wäre bislang etwas zu hoch gegriffen) des Progressiven Metals neue Hörer erreichen kann, die bislang gar nichts mit Prog am Hut hatten, dann ist es die des Djents. Aus einer kleinen Welle wird immer mehr ein Tsunami, der Konventionen mit Fremdeinflüssen zu begraben droht. Ob nun Periphery, Textures oder die Wegbereiter Meshuggah: Djent boomt im Underground , kriecht immer weiter nach Oben und öffnet Fans von Hardcore Metal und natürlich auch Prog neue Sounds. Wie kritisch man nun mit der Etablierung eines Genres ist bzw. ob man Djent überhaupt als Genre sehen will, ist dabei fast schon nebensächlich. Der Gesamteindruck und die Homogenität in der Riege der stil- und artverwandten Bands macht's! Stealing Axion, 2009 in Tacoma, Washington gegründet ist eine dieser Gruppen. Nach einer Demo und der folgenden EP veröffentlichen sie ihre erste Langrille namens „Moments“, die mit ihren sowohl harten als auch komplexen Seiten eine Nische finden sollte.

Der traditionsbewusste Langhaarträger rümpft die Nase und das nicht nur, weil so mancher Metal-Hipster auf die Mucke von Stealing Axion abfahren wird. Es ist einfach diese Mischung aus zwei Welten, die sich lange Zeit gar nicht haben verbinden lassen. Bei Stealing Axion ist es der sehr technische Prog, mitunter sogar Mathrock, wie man ihn von Watchtower, den späten Fates Warning und eben Meshuggah kennt. Und dann ist da der Counterpart in Form von Hard- und sogar Metalcore. Egal wie man nun dazu steht: „Moments“ geht als das, was es sein will auf. Dan Forbrich, Phil Willmarth und Josh DeShazo bieten sich waghalsige Duelle an der Gitarre, am Bass und am Mikrofon. Mit ihnen hat man gleich drei Sänger, was sehr ungewöhnlich ist, aber gut funktioniert. Lediglich Blake Ferris ist „nur“ Schlagzeuger, aber was Rhythmik betrifft das klare Rückgrat der Band.

Mit über 70 Minuten ist „Moments“ nicht nur ein sehr langes, sondern auch überaus schwer zugängiges Album geworden, welches die komplette Aufmerksamkeit des Hörers verlangt. Das ist auch der größte Kritikpunkt. Es werden so viele Ideen und Einfälle verarbeitet, dass es einfach nur noch Wahnsinn ist. Das ist an und für sich kein Problem, im Gegenteil, aber hinsichtlich dessen, was die Amerikaner abziehen, viel zu lang. Ihr Album lebt von seinen teilweise krassen Gegensätzen und den unberechenbaren Stimmungsschwankungen. Alle Songs sind extrem ausgeklügelt, extrem komplex und alles andere als eingängig. Meist ist es der Wechsel von beinhartem Hardcore-Metal, der fließend in Prog Metal der melancholischen und sphärischen Art übergeht (und wieder zurück), was Nummern wie beispielsweise „Solar“ oder „Eventide“ beweisen. Vereinzelte Elemente von Nu-Art Rock (Änglagard, Tool), Post-Rock bzw. Post-Hardcore (Ancestors, Pelican) wie in den Songs „Everything Or Nothing“ oder „Collapse“ machen es dem Hörer nicht wirklich leichter und wollen das definitiv auch gar nicht. Der Höhepunkt zeigt sich beim Titeltrack, der in zwei Teile gesplittet wurde und sich zu einer wahren Tour de force entwickelt. Die Band zelebriert alles, was sie in den vergangenen neun Songs geboten hat nochmal gestaucht und weiß auch immer wieder eine Schippe drauf zu legen. Manche werden das überladen finden, andere dagegen genial. Ohne Frage ist das aber wirklich das, was man progressiv nennt.

Stealing Axion ist somit eine Band, die das Potential hat zu polarisieren. Wahrscheinlich werden es eher die Freunde der zünftigen Seite des Metals sein, die „Moments“ mit offenen Armen empfangen werden, während der Fan von Prog Metal oder gar Prog Rock (ironischerweise) eine ablehnende Haltung einnehmen wird. Verübeln kann man es ihnen nicht. Die Musik von Stealing Axion, oder Djent im Allgemeinen, ist pure Geschmackssache, aber für alle Liebhaber von experimentellen und interessanten Songs wärmstens ans Herz zu legen.

Anspieltipps:

  • Solar
  • Eventide
  • Collapse
  • Moments

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