Mick Flannery - Red To Blue - Cover
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Mick Flannery Red To Blue


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Irland hat einen neuen Songwriter-Helden mit viel Charakter.

Tom Waits weiß vieles oft schon vorher besser als andere. So war es kein Zufall, dass im Jahr 2004 der Preis für besten Folk/Singer/Songwriter in Nashville nicht an einen Amerikaner, sondern einen Iren ging. Tom Waits war damals Teil der Jury und besagter Ire war Mick Flannery, der erst 5 Jahre später sein Irland-Debüt „White Lies“ auf den Markt bringen sollte. Mit seinem zweiten Album will er auch der Rest der Welt umgarnen und die Vergleiche mit Bruce Springsteen und Bob Dylan regnen wie ein warmer Sommerregen auf den noch 28jährigen Mann aus Blarney nieder. Ist Flannery tatsächlich das neue Singer/Songwriter-Synonym für Irland und kann man Emotions-Bombe Damien Rice endgültig abhaken?

Mit der sehr amerikanischen Vorab-Single „Gone Forever“ zeigt Flannery auch auf seinem zweiten Album, warum ihn Waits schon vor acht Jahren so sehr mochte. Dabei ist der stampfende Opener nur ein kleiner Vorgeschmack auf Flannerys Stil. Der zweieinhalbminütige Track entfaltet noch gar nicht so viel, als dass dieser Track das Album repräsentieren sollte. Aber Chöre, Mundharmonika und der raue Gesang ergeben mit Gitarre und Schlagzeug diesen typisch erdigen Sound, den man amerikanischem Folk zuschreibt.

Doch dieser Ansatz ist gar nicht die Hauptdisziplin des internationalen Neulings. Nur der Titeltrack und „Get That Gold“ schlagen noch in eben diese Kerbe und wirken dabei auch gleich etwas vollmundiger als der Opener. „No Way To Live“ nehmen wir aus dieser Gleichung heraus, da das Lied verdächtig nach einem Klon des Openers klingt und damit den einen Makel des Albums aufweist. Ansonsten gibt sich Flannery emotional und räumt Herz erweichenden Arrangements viel Platz ein. Diese sind mit gefühlvollen Volltreffern wie „Up On That Hill“ und allem voran dem starken „Heartless Man“ die Höhepunkte des Albums.

Warm einlullen, leiden und aufbegehren kann Flannery wie nur wenige in seiner Sparte und genau diese Stärken spielt er zu angenehmen Melodien perfekt aus. Da kommen Streicher, Chöre und auch Bläser immer zum richtigen Zeitpunkt und erinnern an die Intimität der ersten Alben eines gewissen Ray LaMontagne. Es dürfte damit auch nur eine Frage der Zeit sein, bis „White Lies“ als Re-Release erscheint. Mick Flannery macht so viel richtig, dass man es auf Anhieb kaum glauben kann. Spätestens nach dem zweiten Hördurchlauf will man jedoch nur noch die Daumen drücken, dass Flannery den verdienten Erfolg mit seiner bezaubernden Musik einfahren kann.

Anspieltipps:

  • Heartless Man
  • Red To Blue
  • Up On That Hill

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