Kamelot - Silverthorn - Cover
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Kamelot Silverthorn


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 54 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit einem Knall und so innovativ wie schon lange nicht mehr, melden sich Kamelot fulminant zurück.

Mit nunmehr 20 Jahren auf dem Buckel haben es die US-Amerikaner Kamelot geschafft, sich einen Platz im Olymp des Metals zu sichern. Die Ideen, Innovationen und Experimente, die Mastermind und Gitarrist Thomas Youngblood mit seinen Mannen in ihren Power Metal einfließen ließen, suchen auch heute noch im Genre ihresgleichen und schafften es sogar, jenes zu prägen. Alben wie „Karma“, „Epica“ und ganz besonders der Meilenstein „The Black Halo“ genießen nach wie vor einen hohen Stellenwert bei Fans und Kritikern. Über die Jahre erfanden sich Kamelot immer wieder neu und inspirierten eine nicht geringe Anzahl von Musikern. Als schließlich der beliebte und markante Frontmann Roy Khan die Band nach dem eher mäßigen „Poetry For The Poisoned“ verließ, schrieben viele Kamelot bereits ab. Khan war nicht unbeteiligt am Erfolg der Gruppe und gab der Musik stets die passende Gesangsqualität irgendwo zwischen dem typischen Falsett und sogar Oper. Umso spannender (wenn nicht sogar angespannt) wurde es, als ein neuer Sänger gesucht und schließlich vorgestellt wurde. Könnte er jemals in die über lebensgroßen Fußstapfen Khans treten?

Um es direkt kurz und knackig zu machen: Neuzugang Tommy Karevik erfüllt diese Aufgabe mit Leichtigkeit und absolut souverän. Der Stockholmer, Baujahr 1981 und Feuerwehrmann von Beruf, ist im Gegensatz zu Sängerwechseln der jüngeren Vergangenheit (Nightwish) oder generell aufsehenerregenden Umbesetzungen im Metal (Iron Maiden, Black Sabbath) ein Vokalist, der den Stil seines Vorgängers nicht zwangsläufig komplett über den Haufen wirft. So wird direkt eine weitere Frage beantwortet: Kamelot bleiben in Punkto Gesang Kamelot. Karevik ist bereits von der Prog Metal Kombo Seventh Wonder bekannt, die nach der Bekanntgabe seiner Anheuerung bei Kamelot einen gewaltigen medialen und kommerziellen Push bekam. Im Vergleich zu Seventh Wonder, singt Karevik jedoch sehr viel tiefer und nicht selten glaubt man tatsächlich Khan herauszuhören. Kamelot bleiben somit auf Kurs und haben mit Tommy Karevik eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Besonders Anhänger von Roy Khan dürfen entwarnt werden, da sein Nachfolger das gleiche Volumen, die gleiche Wandlungsfähigkeit und sogar ein ähnliches (wenn auch ein wenig „jugendlicheres“) Timbre besitzt.

Mit „Silverthorn“ hat man das zehnte Studiowerk am Start, welches seit längerer Zeit wieder in Form eines Konzeptalbums präsentiert wird. Basierten „Epica“ und „The Black Halo“ noch sehr lose auf dem Fauststoff (besonders auf Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil), so ist „Silverthorn“ eine vollends originale Geschichte, die im 19. Jahrhundert angesiedelt ist und von Intrigen, Betrug und dem Tod der Tochter einer einflussreichen Familie erzählt. Musikalisch ist dabei alles mehr oder weniger beim Alten geblieben. Die Band beherrscht es nach wie vor, ihren Metal irgendwo zwischen Power, Symphonic, Prog und Gothic zu präsentieren, klotzt anstatt zu kleckern, trägt im Vergleich zu den Vorgängern „Ghost Opera“ und „Poetry For The Poisoned“ aber tatsächlich weniger dick auf. Es sind Songs wie „Sacrimony (Angel Of Afterlife)“, das groovend-sinister „Ashes To Ashes“, „Torn“ und „My Confession“, die die einstige reine Power Metal-Ausrichtung Kamelots wie beispielsweise in den Songs „Forever“ oder „Center Of The Universe“ durchblitzen und mit Bombast, Euphorie und leichter Melancholie in den modernen, ziemlich erhabenen Sound von „Silverthorn“ einfließen lassen. „Solitaire“, übrigens Kamelots zweiter Song mit diesem Namen (vergleiche „Ghost Opera“), verbindet gar „Happy Metal“ mit symphonischem Bombast. Bessere Ohrwürmer hat diese Gruppe schon lange nicht mehr geschrieben. Den Kontrast bilden Nummern, die abermals beweisen, dass verschiedene Genres homogen miteinander verbunden werden können. „Veritas“, der Titeltrack, die pompöse Halbballade „Falling Like The Fahrenheit“ (Toumas Holopainen würde dafür morden!) oder die mit knapp neun Minuten längste Komposition „Prodigal Son“ sind für die komplexen und orchestralen Momente zuständig und zeigen Kamelot nach ihrer kreativen Sackgasse endlich wieder in Höchstform. Lediglich „Song For Jolee“ hat ein wenig zu viel Zuckerguss zwischen Orchester und Kareviks gefühlvollem Gesang. Auch wenn die Ballade zum Sterben schön ist: Kamelot hatten in der Vergangenheit schon sehr viel bessere.

Insgesamt ist „Silverthorn“ endlich wieder ein vollends überzeugendes und mitreißendes Album der Ausnahmemusiker geworden. Der Neuzugang Tommy Karevik ändert nicht viel am gesanglichen Bild, ist aber sicherlich ein nicht zu unterschätzender Grund dafür gewesen, dass die restlichen Mitglieder der Band einfach mal in den Jungbrunnen gesprungen sind. Hörbar erfrischt, gestärkt und mit einem ganzen Blumenstrauß an Innovationen und unverbrauchten Melodien lassen sie die Stagnation hinter sich und werden ihre Erfolgsgeschichte garantiert fortsetzen. Kamelot vertragen den Verlust ihres ehemaligen Sängers tatsächlich ohne allzu große Narben und schaffen es sogar, an alte Glanztaten wie „Karma“ oder „The Black Halo“ anzuknüpfen!

Anspieltipps:

  • Sacrimony (Angel Of Afterlife)
  • Torn
  • My Confession
  • Veritas
  • Silverthorn
  • Falling Like The Fahrenheit

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