How To Dress Well - Total Loss - Cover
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How To Dress Well Total Loss


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Minimalistischer Kitsch-R'n'B zum Wohlfühlen.

Ein einsames Haus am Meer während es gewittert scheint die Location für das Klangerlebnis „Total Loss“ zu sein, das Tom Krell unter seinem Künstlernamen How To Dress Well da auf den Hörer loslässt. Sanftes Beben und Wabern aus den Boxen begleitet den Falsettgesang des Produzenten und Sängers mit Vorliebe für R'n'B. Zu ganz entspannten Rhythmen entfaltet sich der nachdenkliche Sänger in einer Art, die One Republic ohne Mainstream- und Rockattitüden wohl produzieren würden und auch ein Justin Timberlake könnte ein „Cold Nites“ unter einem Pseudonym herausbringen.

How To Dress Well hält dabei die eigene Unnahbarkeit durch. Die Umstände des Albums waren wohl nicht die besten (oder gerade deswegen so produktiv), da Krell von einer schweren Zeit berichtet. Die meisten Tracks erscheinen mehr wie ein Teil eines Soundtracks, wenn zum Beispiel „Say My Name Or Say Whatever“ ziellos aus den Boxen hallt. Obwohl die Musik sich einer minimalistischen Natur nicht entledigt, kann viel entdeckt werden, wenn die verschiedenen Stimmungen aufeinander treffen. Der Gesang ist dabei oftmals sogar eine Schwachstelle. So sorgt in „Running Back“ der 90s-Stil der Lyrics für eine Ablenkung von all der starken Instrumentalität des Liedes.

Überhaupt ist aber auch Krells Stimme im Falsett eine Unterstützung der Musikleinwand, auf die er Töne pinselt. Höhepunkt der instrumentalen Pracht ist natürlich das von herzzerreißenden Streichern gespielte „World I Need You, Won't Be Without You (Proem)“. Teilweise möchte man diese Klanglandschaft Menschen ans Herz legen, die den Anschluss zu Björks Wahnsinn inzwischen verloren haben und sich nach leichterer Experimental-Kost sehnen. Hier und da wird How To Dress Well noch zu kitschig „Talking To You“ und erliegt den R&B-Mustern zu sehr, als dass der interessante Klang aufrecht gehalten werden kann („Set It Right“).

Am Ende steht ein durchweg abwechslungsreiches, ruhiges Album, das darauf wartet von Jedermann entdeckt zu werden. Nur großes Entertainment für Zwischendurch sollte niemand erwarten.

Anspieltipps:

  • Cold Nites
  • World I Need You, Won't Be Without You (Proem)
  • Ocean Floor For Everything

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