Gus Black - Split The Moon - Cover
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Gus Black Split The Moon


  • Label: India/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Gus Black singt sich gefühlig durch das Hier und Jetzt: „Split The Moon“ ist eher eine selbstzufriedene Momentaufnahme, denn eine umfassende Retrospektive seines Schaffens.

Sag’s mal nicht durch die Blume: „ To Fuck With Gus Black“ hat der Singer/Songwriter aus Kalifornien eines seiner Alben betitelt. Martialischen Schick verströmt auch das zugehörige Plattencover: Es zeigt Black als James Bond-Verschnitt, der grimmigen Blickes eine Pistole auf den potenziellen Käufer richtet. Die Geschichte hinter dieser Aufmachung, die so überhaupt nicht zum melancholischen Singer/Songwriter passen mag: Sie sollte als Botschaft an das Musikbusiness verstanden werden. „Keine Anpassung mehr, einfach Musik“, so sein damaliger Gedanke für einen Neuanfang jenseits der kommerziellen Zwänge.

Ein löblicher Ansatz, den Black auch mit Inhalten zu füllen wusste. Seine Lieder wirken wie gemacht für den intimen Rahmen einer höchstens mittelgroßen Konzerthalle, wie es etwa das „Lido“ in Berlin ist, wo die Aufnahmen zu „Split The Moon“ entstanden. Wenngleich auf der Veröffentlichung nicht alle Lieder berücksichtigt werden, die Black dort gespielt hat, wirkt „Split The Moon“ geschlossen - und so rund wie der titelgebende Himmelskörper. Die Dramaturgie des Abends ist schlüssig: Lange verweilt der Sänger bei balladesken Songs, die Instrumentierung wirkt zurückgenommen, der Gesang steht im Vordergrund. Kompositionen wie „Blood And Belonging“ oder „Love Is A Stranger“ lassen eine geistige Verwandtschaft mit der Musik eines Leonard Cohen erkennen.

Zur Mitte hin, etwa ab dem vor allem stimmlich großartig vorgetragenen „No Love In Vain“, nimmt die Geschwindigkeit merklich zu. Die Band - deren Mitglieder aus dem Umfeld des deutschen Schwermut-Beauftragten Philipp Poisel kommen - gewinnt an Raum. Gegen Ende gehen „Rollercoaster“ und „Certain Kind Of Light“ fast als wilde Rocknummern durch, bevor „The World Is On Fire“ die Folk-Seele des Interpreten wieder einfängt. Durchaus spannend sind zwei Cover-Versionen geraten: Velvet Undergrounds „Femme Fatale“ bleibt nah am prächtigen Original, während Black den ranzigen Shirelles-Klassiker „Will You Still Love Me Tomorrow“ auffrischt, indem er den eingängigen Schunkelrhythmus des Songs sanft zerlegt.

Dass mit „Little Prince Town“ einer der Klassiker aus dem beachtlichen Oeuvre des Künstlers fehlt, schmerzt ein wenig. Als umfassende Retrospektive seiner Arbeit sollte „Split The Moon“ jedoch eh‘ nicht verstanden werden. Vielmehr ist es eine intensive Momentaufnahme: Im Hier und Jetzt scheint Gus Black versöhnt mit sich selbst und seiner Musik - und dies ganz und gar unbewaffnet.

Anspieltipps:

  • Blood And Belonging
  • Love Is A Stranger
  • The World Is On Fire

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