Sue - You - Cover
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Sue You


  • Label: Z-Muzic/Broken Silence
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Musikmessias – wer immer er auch war – hat auch in Ostfriesland Halt gemacht und seine Gaben verteilt.

Vor drei Jahren brachte eine Handvoll Ostfriesen unter dem Künstlernamen Sue das Album „Home Philosophy“ heraus. Eine angenehme Electro-Pop-Scheibe, die sich noch nicht ganz zwischen düsterem nachdenklichem Minimalismus und ein paar Pop-Hymnen entscheiden konnte. Es war ein guter Schuss Optimismus bei der guten Bewertung der letzten Platte dabei. Ein Kredit für eine viel versprechende Zukunft wenn man so will. Die Pop-Songs der Band konnten genau so ihre Ansätze zeigen, wie auch die nachdenklichen Stücke, aber auf „You“ muss die richtige Konzentration der Stärken her, wenn Sue nicht im Niemandsland der Szene verschwinden wollen.

Sue haben sich für den sicheren Weg entschieden und das nachdenkliche Konzept zurückgeschraubt. Titeltrack „You“ legt mit vorantreibender Melodie los und tritt einen echten Reigen an massentauglicher Ware los. Mit ähnlich einfachen Mitteln wie schon auf „Home Philosophy“ erschaffen Sue treibende Lieder ohne sich auf übertriebenen Maximalismus verlassen zu müssen. Das geht auch gnadenlos so weiter in „Carrie“, „Talk Talk“ und „Shoes“. Sue scheinen das richtige Gespür für Pop-Melodien gefunden zu haben und fühlen sich wohl dabei. Manch einer mag von Vereinfachung sprechen und hat damit auch recht. Die Umsetzung allerdings lässt keine großartigen Wünsche offen.

Die weniger aggressive Umsetzung alter Bloc Party-Ideen schmiegt sich ins Ohr und findet in der instrumentalen Traumnummer „Houston“ ihren abschließenden Höhepunkt. Wenn dies eine EP gewesen wäre, dann hätte man kaum eine Wahl, als dieses Album auf den Thron des Electro-Pop 2012 zu setzen. So knackig und leicht ins Ohr gehend, hätte man Sue kaum erwartet. Und wie die unbekannten Musiker aus Ostfriesland Bloc Party, Polarkreis 18 und auch The Killers zum Tanz auffordern, ist mehr als beeindruckend.

Die zweite CD-Hälfte zieht sich dann etwas zurück und wirkt altmodischer. „Integrity“ (als Schwachpunkt des Albums) und „Run Run“ könnten aus neuerer -Feder stammen, bevor „Something Is Wrong With Me“ - weiterhin in nachdenklicher Manier – den modernen Pop der ersten Hälfte zurückbringt. Verträumt und hypnotisch zugleich präsentiert sich diese Popnummer mit ganz viel Finesse und Gefühl, die auch schon in den ermunternden Stücken des Auftakts zu hören waren. Bis auf „Part Of The Age“ gibt sich die zweite Hälfte auch als das nachdenkliche Gegenstück der ersten Hälfte, wirkt dabei jedoch viel eingängiger als noch zu Zeiten des Debüts.

Sue ist mit Radio tauglichen Hymnen wie „Carrie“ und interessanten Pop-Experimenten der Marke „Nordsee“ auf dem sonst so schwierigen Album Nummer zwei ein ganz großes Stück Musik gelungen. Sie stellen ihr dagegen unfertiges Erstwerk mit Leichtigkeit in den Schatten und zeigen ihren Electro-Pop von einer erwachsenen, modernen und zumeist auch sehr intelligenten Seite. Die fragenden „Hello?“-Rufe im Schlusstrack „Nordsee“ werden hoffentlich mit Begeisterung beantwortet. Verdient hätte es dieses reife Album allemal.

Anspieltipps:

  • You
  • Houston
  • Nordsee

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