Kryptos - The Coils Of Apollyon - Cover
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Kryptos The Coils Of Apollyon


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu dieser Knüppelorgie aus Indien würden sogar Vishnu und Brahma den Moshpit rocken.

Stichwort Exotenbonus: Manche Bands haben diesen einfach von Natur aus. Allein der Gedanke, wie viele Hürden eine Metalband in manchen Ländern teilweise nehmen muss, um ihren Shit zu veröffentlichen bzw. überhaupt auftreten zu dürfen, schwingt beim Hören diverser Kuriositäten munter mit. Der Respekt, welchen man Kombos aus Ländern wie Iran oder Irak zollt, mündet oftmals darin, dass man sie mit Samthandschuhen anpackt. Solche Bands haben es mitunter tatsächlich leichter einfach durchgewunken zu werden. Ihre Revolution-Credibility rechtfertigt sogar so manches. Zumindest dann, wenn man den ursprünglichen Spirit des Metals bedenkt. Nun kommen Kryptos aber nicht aus einem Land, wo sie für ihre musikalische Aktivität Verfolgung fürchten müssen. Und wirklich unbekannt sind die vier Herren auch nicht mehr. Die aus Bangalore stammende Band hat ihren Exotenstatus im Rest der Welt dennoch inne, auch wenn sie bei sich zu Hause sowohl vom Sound als auch vom Beliebt- und Bekanntheitsgrad längst die indischen Kreator sein könnten. Ihr „The Coils Of Apollyon“ mit den sanftmütigen Händen Gandhis anzufassen ist da glücklicherweise völlig unnötig. Kryptos haben nämlich tatsächlich das Potential in der internationalen Szene ordentlich mitzumischen.

Und so hauen Nolan Lewis (Gesang), Rohit Chaturvedi (Gitarre), Jayawant Tewari (Bass) und Ryan Colaco (Schlagzeug) mit „The Coils Of Apollyon“ einen Thrash Metal-Kracher raus, der sich hinter eingesessenen Kombos nicht zu verstecken brauch. Und aufgrund der Tatsache, dass die beiden Vorgänger kaum bis gar keine Beachtung fanden und man so die Inder erst verspätet kennen lernt, wird sich der ein oder andere Freund des Genres schon mal selbst in das Gesäß treten. Wem der Mix aus Thrash und fast schon Iron Maidenschen Elementen auf Kreators „Phantom Antichrist“ gefiel, oder mit Testaments songwriterisch grandiosem „Dark Roots Of Earth“ etwas anfangen konnte, der sollte sich in etwa einen Reim darauf machen, auf welche Reise Kryptos den Hörer mitnehmen will.

Es ist die Verbindung von traditionellem Heavy Metal mit beinhartem Old School Thrash, der Songs wie „The Mask Of Anubis“, dem groovenden „Serpent Mage“ (Black Sabbath-Einschlag) oder „Nexus Legion“ den letzten Schliff verleiht. Und auch sonst jonglieren die vier Musiker munter mit Spielarten des Metals und schaffen ihnen ein Plätzchen in ihrem Sound. „Visions Of Dis“ ist mit seinen acht Minuten ein Rhythmusmonstrum, welches gut und gerne ein wenig Doom Metal zur Auflockerung einbaut, während „Starfall“ fast schon balladesk daherkommt. Das verspricht Abwechslung von einem Nackenbrecher wie „Spellcraft“ bei dem Kryptos genüsslich in die Sphären der 80er-Jahre Knüppelkunst eintauchen und die gute alte Zeit feiern. Trotz allen Spielereien und Experimenten bleibt „The Coils Of Apollyon“ gottlob auf Kurs. Der Vibe der alten Schule pulsiert übermächtig, lässt aber stets die ein oder andere Modifikation des Klangs zu.

Somit tummeln sich Kryptos irgendwo in der Lücke zwischen Neu und Alt. Das Rad erfinden sie sicher nicht neu, aber mal ehrlich: Wer erwartet so was auch schon? Mit ihrer Gründung im Jahre 1998 gehören sie zu den ältesten (!) Bands der indischen Metalszene. Diese braucht ihre Helden und Aushängeschilder. Und wenn es eine Gruppe wie Kryptos vermag, ihren Metal auf Weltklasse-Niveau zu spielen, ist das in jener Hinsicht nur dienlich. Alle Metaler außerhalb von Indien sollen jetzt dieser sehr feinen Band ein Ohr schenken und dafür sorgen, dass sich wie einst bei Orphaned Land das Prädikat „Exot“ nach und nach in „etablierter Act“ entwickeln kann. „The Coils Of Apollyon“ ist schlichtweg eines der besten Thrash Metal Alben 2012. Bang(-alore) your head!

Anspieltipps:

  • The Mask Of Anubis
  • Serpent Mage
  • Nexus Legion
  • Visions Of Dis

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