Seeed - Seeed - Cover
Große Ansicht

Seeed Seeed


  • Label: Downbeat/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wir sind Seeed, da gibt´s nix zu googeln. Nur Hits, alle Kids am Jubeln.“

Alle drei Jahre, angefangen bei „New Dubby Conquerors“ (05/2001) über „Music Monks“ (06/2003) bis hin zu „Next!“ (10/2005), knallte uns das massive Dancehallgeschwader aus Berlin eine riesengroße Portion Glückshormone um die Ohren und plötzlich herrschte Funkstille. Soloalben (unter anderem mit mittelmäßigem Erfolg von Demba Nabé alias Boundzound und Frank Dellé als Dellé) wurden angekündigt und veröffentlicht, Pierre Baigorry stellte mit „Stadtaffe“ (09/2008) die deutschsprachige Musikwelt auf den Kopf und hielt sich durch erstklassige Singleauskoppelungen wie „Alles neu“ und „Haus am See“ bei über einer Million verkauften Platten knappe zwei Jahre in den deutschen und österreichischen Charts. Von Seeed selber fehlte aber jede Spur. Dann rappelte es 2011 endlich im Karton und der elfköpfige Haufen zeigte sich nicht nur um zwei Musiker in der Bläsersektion erweitert, sondern präsentierte mit dem neuen, sagenhaft mitreißenden „Molotov“ und dem eigentlich melancholischen, aber in den Händen von Seeed absolut tanzbaren Cover von Blacks „Wonderful life“ einen prickelnden Vorgeschmack auf das kommende Album.

Dieses hört nach einer derartig langen Kreativpause natürlich auf den Namen „Seeed“ und steht für all das, was eine Platte der Berliner Kampfmannschaft hörenswert macht: Dicke Bässe, satte Grooves, lässige Reime und ein allgemeines Gefühl der Glückseligkeit. Alleine das Fehlen des Parental Advisory-Stickers bei Zeilen wie „If my dick could talk she would make it sing“ lässt Endorphine in den Körper sprießen und schelmisch grinsen. Wahrscheinlich war die ehrenwerte Prüfstelle während des ansteckenden Electro Ska-Beats von „Waste my time“ dermaßen am shaken, dass sie vergessen hat, ein Häkchen für das Hinweispickerl zu setzen. Wie dem auch sei, das vierte Prachtexemplar der 13 Herrschaften ist gespickt mit locker-leichten Nummern wie dem orientalisch angehauchten, hüftenschwingenden „Augenbling“, der anfänglich etwas furchteinflößenden, mit Autotune versetzten Komposition „Seeeds Haus“, die aber schon nach wenigen Sekunden einen unnachahmlichen Sog als umwerfender Floorfiller entfacht, oder dem zu jeder Tages- und Nachtzeit sowie Gemütslage aufputschenden Carpe Diem-Track „Deine Zeit“.

Doch Seeed haben freilich nicht nur Party im Kopf, sondern schunkeln auch mal gerne im Reggaebeat händchenhaltend die Straße entlang („You & I“), streuen ein wenig Big Band-Charme hinzu („Lovelee“), geben den Seelentröster im schleppenden Bassgewand („Feel for you“) oder grummeln vergnügt den Alltag aus den müden Gliedern („Elephants“). Wieso Eased, Enuff, Ear & Co. dem netten, aber im Vergleich zu den restlichen Hits stark abfallenden „Beautiful“ doppelt so viel Raum geben und am Schluss noch einen instrumentalen Ausklang als „Reprise“ verschaffen, bleibt ungeklärt. Den zappeligen Finger auf der Repeat-Taste kann dies jedenfalls nicht beeindrucken. Kaum ein Album versetzt den Hörer dieses Jahr cleverer und gewitzter in Feierlaune als „Seeed“ und da Major Lazer seine zweite Mission erst im Frühjahr 2013 antritt, wird an diesem Dancehall/Dub-Kapazunder so schnell auch nichts vorbeikommen.

Anspieltipps:

  • Molotov
  • Elephants
  • Deine Zeit
  • Seeeds Haus
  • Waste My Time

Neue Kritiken im Genre „Dancehall“
Diskutiere über „Seeed“
comments powered by Disqus