Elvenking - Heathenreel - Cover
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Elvenking Heathenreel


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das statuierte Exempel, dass auch italienischer Power Metal nicht unbedingt klischeebehaftet sein muss.

Man schreibt das Jahr 2001. Dank Bands wie Rhapsody Of Fire oder Labyrinth, die einen Vorreiterstatus besitzen, sprießen neue Gruppen wie Pilze aus dem italienischen Boden. Hunderte, wenn nicht sogar tausende Bands, orientieren sich dabei klar am Symphonic Power Metal der Erst- oder dem malmsteenschen, melancholischen Speed Metal der Zweitgenannten, sind aber nicht selten irgendwo dazwischen. Dafür aber oft ziemlich daneben. Fakt ist nur, dass die „NwoIhm“ (New wave of Italian heavy metal) selbst in den Reihen des oftmals nicht gerade kommerziell erfolgreichen Metals eine Sonderstellung genießt, so viele Liebhaber wie Kritiker hat und ohne Frage ein Kuriosum in der Szene ist.

Kein Wunder: Oftmals trieft das Klischee aus allen Poren. Die Albencover sehen mit ihren Drachen, Kriegern und Klingen nicht selten so aus, als hätte es sich ein 15jähriger zur Lebensaufgabe gemacht ein alternatives Filmplakat zu Conan der Barbar zu malen. Auch musikalisch oder lyrisch ist die ein oder andere Band hart an der Schmerzgrenze. Im Rest Europas machen junge Menschen Punk oder Rock, Italiener gründen bis heute wohl vornehmlich Power Metal Gruppen. Wenn sich dann fünf Burschen Namen wie Damnagoras (Gesang), Jarpen (Gitarre, Gruntings), Aydan (Gitarre), Gorlan (Bass) und Zender (Schlagzeug) geben und es dann wagen den Namen ihrer Band mit Elvenking noch plakativer zu gestalten, stehen einem die Nackenhaare ziemlich schnell zu Berge. Dass Elvenking aber keinesfalls ein Marketing Gag im Zuge der Herr der Ringe Hochphase war oder ist und dass es im Walde des Elfenherrschers interessanter zugeht als zunächst gedacht, zeugt davon, dass die Italiener es seit jeher wuissen, wie man sich vom Gros der Szene absetzt.

Ihr Debüt „Heathereel“ ist somit der Startschuss für eine Band, die es geschafft hat auch außerhalb des Undergrounds zu überleben. „Heathenreel“ ist eine interessante Mischung aus höchst melodischem Power Metal der italienischen Schule und Folk Metal wie ihn Skyclad (welche auch als klare Vorbilder genannt werden) erfunden haben. Trotz allerlei Fantasy-Schmu - man hat mit dem Bandnamen einen Ruf zu verlieren - herrscht aber eine im Großen und Ganzen eher unkitschige Grundstimmung. Manche Songs gewinnen ihren Charme sogar erst mit der gewissen Rohheit. So sind „Pagan Purity“, „White Willow“ oder „A Dreadful Strain“ Kompositionen, die mit jugendlichen Spirit, Experimentierfreudigkeit und sogar eine ganz feine Prise Punk (!) das „Fuck you!“ ins Gesicht brüllen. Ist das typischer Italo Metal? Definitv nicht! Melodische Gitarrensoli und die Untermalung von Instrumenten wie Flöte oder Violine sorgen für den nötigen Kontrast. Mit dem sehr folkigen „Hobs 'n Feathers“ finden die Jungs schon eher zum angepeilten Sound, während sich „Seasonspeech“ als längster Song mit progressivem Aufbau und dem dramatischen Einsatz von mehreren Gastsängern zum Fanliebling gemausert hat.

„Skywards“ entwickelt sich aus einer akustischen Ballade zu einem Speed Metal Kracher inklusive Gruntings. Höhepunkt ist aber sicherlich das morbide, aufgeregte und verstörende „Conjuring Of The 14th“ mit dem Elvenking ihren künftigen Sound vom Album „The Scythe“ andeuten, dabei aber sehr viel innovativer, atmosphärischer und spielfreudiger an die Sache gehen. Kennst du eins, kennst du alle? Trifft bei „Heathenreel“ nicht zu! Zwischen den unzähligen Bands aus Italien , schwingt der Elfenkönig sein Zepter und setzt sich durch. Schon alleine für die Tatsache, dass Elvenking ihren eigenen Weg gehen und als Band, die in einem Boom geboren wurde, es schafften eine abermals neue Generation junger Power Metaler zu inspirieren, verdient Respekt.

Anspieltipps:

  • The Regality Dance
  • White Willow
  • Skywards
  • Hobs 'n Feathers
  • Conjuring Of The 14th
  • Seasonspeech

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