Elvenking - Wyrd - Cover
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Elvenking Wyrd


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn der Power mit dem Folke...

Folk Metal hat viele Gesichter und darf im engeren Sinne gar nicht als solcher klassifiziert werden. Ensiferum, Turisas oder Eluveitie haben viel Folk zwischen die Gitarren gepackt. Ist das Folk Metal? Nein, viel zu vage. Skyclad als einstige „Erfinder“ jonglieren erst mit Thrash und Irish Folk, werden progressiv, dann traditionell. Folk Metal? Vielleicht noch am ehesten, aber viel zu vage. Und dann gibt es Subway To Sally oder In Extremo. Die Frage ist die selbe. Und nein: Sowas nennt man ja „Mittelalter“. Folk wäre viel zu ungenau. Die Italiener Elvenking machen es einem da nicht unbedingt leichter. Sie spielen Power Metal und mischen Folk drunter. Nicht mehr und nicht weniger. Allerdings wäre es falsch zu denken, dass eben jene folkloristischen Elemente bei ihrem zweiten Album „Wyrd“ nur als Zaungäste genehm wären.

Etwa drei Jahre nach dem eher experimentellen und rohen Debüt „Heathenreel“ ist der Fokus schon sehr viel genauer definiert. Waren Fidel und Flöte auf dem Vorgänger noch eher schmückendes Beiwerk, kriegen sie auf „Wyrd“ eine ganze Ecke mehr Freiraum. Power Folk Metal oder doch eher Folk Power Metal? Eigentlich ist das Jacke wie Hose, denn Fans beider (vieler?) Welten kriegen gleichermaßen etwas geboten. Mit frischen Ideen in Punkto Songwriting, bieten Elvenking einen durchaus knackigen Power Metal, der zwar verspielt und melodisch, aber im Vergleich zu ihren vielen Landsmännern nicht kitschig ist. Zwar erreicht man auf „Wyrd“ nicht den ungeschliffenen und wilden Sound des Debüts, weiß aber wie man einen Ohrwurm zu komponieren hat.

Und Ohrwürmer gibt es auf dem Album zuhauf. „Jigsaw Puzzle“, das darauf folgende „The Silk Dilemma“ sowie „Disappearing Sands“ stehen stellvertretend für die sehr folkige Ausrichtung, die „Wyrd“ bieten will und sind in jenem Bezug die absoluten Höhepunkte. Das restliche Material ist ebenfalls von entsprechenden Instrumenten durchzogen, aber keinesfalls derartig von jenen dominiert. Dafür hat man einen ganzen Blumenstrauß an Abwechslung in Petto. „Midnight Circus“ ist catchiger Power Metal, „Another Haven“ nähert sich sogar leicht dem Arena Rock, während „Moonchariot“ und der Longtrack „A Poem For The Firmament“ deutlich mit Elementen des Symphonic Metals flirten, ohne aber jemals auch nur an die Dimensionen einer Rhapsody Of Fire zu denken.

Was das Personal betrifft: Der Elfenkönig hat seinen Hofe mit neuen Musikern, die allesamt wieder die für die Band typischen Pseudonyme tragen, erweitert. Mit Elyghen hat man sich einen festen Keyboarder ins Boot geholt, während Kleid seinen Vorgänger Damnagoras (welcher beim Nachfolger „The Winter Wake“ wieder dabei ist) ablöst. Besagter Kleid hat eine für Power Metal relativ tiefe Stimme und ist seinem Vorgänger und Nachfolger zumindest technisch überlegen. Allerdings fehlt im die Wandlungsfähigkeit, die Damnagoras definitiv besitzt. Zu dem sehr folkigen „Wyrd“ passt er aber wie die Faust auf's sprichwörtliche Auge. Allein die Tatsache, dass er hier sein ersten und einzigen Auftritt bei Elvenking hat und sicherlich auch maßgeblich für den Stil vom Album mitverantwortlich ist, macht den zweiten Longplayer von Elvenking zu dem etwas anderen Album in der Diskographie. Auch wenn „Wyrd“ trotz verschiedener Stimmungen wie aus einem Guss wirkt, ist es der Mangel an Experimenten, der ein wenig die Spannung vermissen lässt. Freunde von Folk und (italienischem) Power Metal kommen um das Scheibchen dennoch nicht herum.

Anspieltipps:

  • Jigsaw Puzzle
  • The Silk Dilemma
  • Moonchariot
  • A Poem For The Firmament

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