Elvenking - The Scythe - Cover
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Elvenking The Scythe


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nehmt den Elfen die Sense weg, sie tun sich damit nur weh!

Um diese Rezension gleich mit einer positiven Randnotiz zu beginnen: Man muss es den Italienern von Elvenking zugute halten, dass sich wirklich keines ihrer Alben wie das andere anhört. Da ist zum Beispiel das Debüt „Heathenreel“ welches munter im Kitsch-Territorium des zu Beginn des 21. Jahrhunderts boomenden Italo-Power Metals wildert und so manches Klischee einfach gekonnt ignorierte. „Wyrd“ und „The Winter Wake“ festigten schließlich ihren Status als Folk Metal Band. Und dann kommt „The Scythe“ mit seinem dunklen Cover-Artwork, welches schon aufgrund der Tatsache, dass jenes für Power Metal zu düster und für Extreme Metal zu - nun sagen wir mal „Power Metallisch“ - ist, weder Fisch noch Fleisch sein kann. Und tatsächlich: What you see is what you get. Jeder, der ein Album schon mal nach der Attraktivität des Artworks über die Kassentheke hat wandern lassen, sollte in etwa wissen, was er zu erwarten hat. Beziehungsweise was er nicht zu erwarten hat. Der Name „The Scythe“ ist da Programm.

Betrachtet man die drei Hauptelemente, aus denen die Vorgänger Elvenkings zusammengebaut worden, kann man sich zumindest ein Bild machen, was „The Scythe“ abhanden kommt. Folk ist natürlich noch da, Experimentelles findet man auch. Der Power Metal, und Elvenking sind nun mal eine Power Metal Band, wurde stellenweise aber auf ein Mindestmaß runtergeschraubt. Dafür flirten die fünf Italiener verstärkt mit Black-, Death- und auch Gothic Metal und verpassen es so ihrem vierten Studioalbum Stringenz zu verleihen. Das Gefühl für gutes Songwriting erstickt in einem Wulst aus bis in den letzten Riff kalkulierter Heavyness und den Drang anders als zuvor klingen zu wollen. Zwar gibt es noch einige Kompositionen, die an bessere Zeiten erinnern, doch sind jene deutlich von einer Übermacht orientierungsloser „Wir kleben mal alle harten Riffs ohne Sinn und Verstand aneinander“-Spleens oder dem Ziel sich von der italienischen Power Metal Szene ein für alle Mal absetzen zu wollen (was Elvenking gar nicht nötig haben), überrumpelt. Dabei weiß ein geschmackvoller Power-Gothic-Hybrid wie „The Divided Heart“ durchaus zu gefallen und auch das atmosphärische, instrumentale „Totentanz“ (ja, Deutsch hört sich dank Rammstein immer extra böse an) versprüht Charme.

Ansonsten lassen schon die Titelnamen Böses erahnen. Und die Vorahnungen werden nicht enttäuscht. Klar, der Schlenker in die härtere Ecke des Metals muss nicht schlecht sein. Warum auch? Metal ist schließlich hart! Aber wenn Kompositionen wie „Dominhate“, „Death And The Suffering“ oder „Infection“ eigentlich nur professionell aufgenommene Jamsessions ohne Sinn, Verstand und Kreativität sind, besinnt man sich schnell auf den guten, alten Power Metal mit all seinen Stärken und Schwächen zurück. Wer's hart mag, findet eh grandiose Alternativen und verzichtet auf das Album einer Band, die ganz andere Qualitäten hat. Wer denn nun das Zielpublikum von Elvenkings „The Scythe“ sein soll, weiß wohl niemand. Selbst vor dem ein oder anderen Ausflug in den Emocore („Romance & Wrath“) schrecken die Südländer nicht zurück. Dass sie Fans haben, die eher mit dem Legolas-Cosplay auf einer Fantasy Convention rumlaufen und sicherlich nicht dazu bereit wären sich Tunnels im Ohrläppchen anzulegen, zeugt vom Unvermögen einer Band, die durch eine vermeintliche „Weiterentwicklung“ künstlerisches Harakiri (mit einer Sense!) begangen und musikalisch nichts mehr zu sagen hat.

Anspieltipps:

  • The Divided Heart
  • Totentanz

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