Sandra - Stay In Touch - Cover
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Sandra Stay In Touch


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Schlimmer geht nimmer“ lautete vor zwei Jahren das Fazit beim Vorgänger „The Art Of Love“. Von wegen!

Gut, dass Musik nicht riecht. Denn die hier würde fraglos nach Verwesung stinken - sind die auf „Stay In Touch“ verwendeten Synthesizer-Sounds doch seit mindestens dreißig Jahren mausetot. Dass dies auch für Hubert Kah gilt, ist indes nur ein fieses Gerücht. Im Gegenteil: Der zu jener Zeit erst 24-jährige Musiker singt und komponiert auf diesem Werk in einer Qualität, die den Eindruck vermittelt, er sei heuer eher zwanzig Jahre jünger als damals...

Sandra Ann Lauert hingegen hat sich seit ihren größten Erfolgen nicht im Geringsten verändert, weder optisch noch stimmlich. Mit der Wahl ihres Künstlernamens hat sie ihr eigenes kreatives Potenzial zwar bereits ausgereizt, doch manchmal fällt die Inspiration ja auch vom Sternenhimmel. Vermutlich ist ihr der Gedanke zur musikalischen Ausrichtung dieser Veröffentlichung jedoch bei einem Blick in den Spiegel gekommen: Wenn sich mittels Botox selbst Gesichtszüge für immer einfrieren lassen, dürfte dies doch für elektronisch erzeugte Töne erst recht gelten!

Und tatsächlich hat sie mit Piet Blank und Jaspa Jones zwei Produzenten gefunden, die ihre Keller seit einigen Jahrzehnten nicht aufgeräumt haben. Dies lassen zumindest die Klänge vermuten, die Sandra ihren Fans mit textlich gewohnt niedrigschwelligen Titeln wie „Sand Heart“ und „Heart Of Wax“ zumutet. Was hier an Plastikbässen und Orgelbrei aus den Boxen dröhnt, klingt wohl nur deshalb ein klein wenig moderner als damals, weil sich die Abspielgeräte der Konsumenten seit 1985 eben deutlich weiterentwickelt haben.

Wahrlich beeindruckend ist die Kompromisslosigkeit, in der Sandra hier jegliche noch vorhandene Restwürde zu Grabe trägt. Wer sich nicht zu doof ist, anno 2012 noch Melodien zu recyceln, die auch vor einem Vierteljahrhundert schon schlecht waren, der schämt sich vermutlich für überhaupt nichts mehr. Auch nicht dafür, sich fröhlich selbst zu covern, wie in „Kings & Queens“, formerly known as „Maria Magdalena“. Oder dafür, das Wrack, mit dem einst der legendäre „Fancy“ weit hinaus auf das Meer der Geschmackslosigkeit gesegelt ist, zu heben, es leidlich sorgfältig neu zu streichen und auf den Namen „Infinite Kiss“ zu taufen.

Während Jens Gad auf „Stay in Touch“ einmal mehr („The Art Of Love“) umfassend seine Talentfreiheit als Songwriter nachweist, beweisen Blank & Jones immerhin Humor: Wie sie im Refrain von „Angels in My Head“ den Gesang so oft durch den Verzerrer jagen, bis die Stimmfarbe von Sandra nicht mehr nur ähnlich, sondern endgültig deckungsgleich mit jener von Schlumpfine klingt - das ist dann doch irgendwie schon wieder lustig.

Anspieltipps:

  • Infinite Kiss

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