Magica - Center Of The Great Unknown - Cover
Große Ansicht

Magica Center Of The Great Unknown


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
2.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein wehmütiger Blick in die Vergangenheit, der sich lediglich als Blinzeln entpuppt.

Wie so vieles im Leben kann es sowohl Vor- als auch Nachteile bringen, wenn man sich nicht weiterentwickelt. Auf einem Klassentreffen zum Beispiel wird zwar ein ewig Gestriger von seinen ehemaligen Saufkumpanen (inklusive Kind, Kegel und Karriere) belächelt, aber insgeheim wünscht sich dieser dann doch, Party wie in der Oberstufe machen zu können. Es kann cool sein, in der Zeit stehen geblieben zu sein, aber es ist fast unmöglich, Alltag und Vergangenheit auf einen Nenner zu bringen. Überleitung: Power Metal steht fast ohne Ausnahme zwischen dem Prädikat „Klassiker“, der eh unantastbar ist, und einem oftmals fast schon zwanghaftem experimentellen Einschlag. Und dann gibt es da noch den ewig gestrigen Power Metal, der sich voller Wehmut im Schlamm des längst abgeebbten Booms der frühen Nullerjahre suhlt. Damals vermehrten sich die Vertreter der Euro Power-Metal-Szene wie die Karnickel, das Genre erlebte seinen zweiten Frühling, neue Akzente wurden gesetzt und von vielen Bands hört man auch heute noch viel. Zwischen einigen Highlights hatte man aber seit jeher mindestens genauso viel Trash, Plagiate, Plagiate von Plagiaten und generell Gruppen, die alles ein wenig schlechter machten, als die Band vor ihnen. Magica schließlich machen da keine Ausnahme. Mit ihrem Erstling „The Scroll Of Stone“ waren sie eine von vielen, die 2002 ihren Beitrag im Power Metal machten. Auf einem Klassentreffen schließlich würden sie heute schief angeguckt werden.

Es geht nicht darum, dass ihre mittlerweile sechste Langrille „Center Of The Great Unknown“ musikalisch in der Zeit stehen geblieben ist. Vielmehr ist zu sagen, dass die Rumänen schon damals nicht unbedingt die Referenz gewesen sind und ihre Musik bestenfalls Special Interest war, die sich der Fan holte, dem Bands wie Oratory, Athena oder Insania Stockholm noch lange nicht genug waren und der vielleicht sogar nach einem neuen Kick suchte, der selbst die Grottigkeit von einer Kombo wie Skylark unterbieten sollte. Vielmehr geht es darum, dass Magica all dies weder waren noch sind: Die absolute Mittelmäßigkeit ist bei den vier Herren und der Frontfrau (war mal en vogue und ist es streng genommen immer noch, vorausgesetzt sie hört sich wie Tarja Turunen an und trägt ein schwarzes Kleid als vermeintliches Gothic-Alibi) ein Fluch, der ihre musikalischen Ergüsse mehr oder weniger belanglos macht und keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. „Center Of The Great Unknown“ ist dementsprechend sooo 2002, aber nicht intensiv genug, dass man sich voller Freude und Sentimentalität daran zurück erinnern will oder kann. Die elf Titel bieten europäischen Power Metal von der Stange, hie und da ein wenig mit Elementen des Symphonic Metals gewürzt (soll natürlich an Kamelot erinnern), wobei das Orchester der Keyboarder ist.

Sängerin Ana Mladinovici versucht nach wie vor, ihren eigenen Stil zu finden, und bewegt sich zwischen elfenhaftem Gesang der neuen - und leicht opernhaftem der alten Nightwish eher stolpernd durch die Kompositionen. Während Bands wie Lunatica oder Epica längst ihren Stil gefunden haben, ist es bei Magica mehr Schein als Sein und selten wirklich mitreißend. Zudem muss sich Mladinovici fast durchgängig durch einen Doublebass- und Riffwulst schlagen, der wohl auf eine unglückliche Produktion zurückzuführen ist. Es ist immer schön, wenn solche Stilmerkmale den Fan des Power Metals nach Hause bringen, aber nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie mit dem Gesang, der Melodik und dem Songwriting eine Symbiose eingehen können. Besonders stark fällt das in den Songs „Open“, „Step Into The Night“ und „One Angry Gaia“ auf, die zwar angenehm hart und knackig daher kommen, aber jeglichen Druck vermissen lassen. Besonders traurig ist, dass selbst bessere Kompositionen wie „No Horizon“ und „Masterspell“ durch die genannten Malusse ziemlich viel Qualität verlieren. Ironischerweise ist „Daca“ in Form des Bonustracks der beste Song des Albums. Und hier handelt es sich um einen Edit vom Debütalbum. Ob es nun das bisschen Sentimentalität ist oder die Tatsache, dass „Daca“ komplett auf Rumänisch eingesungen wird: Das Teil lässt zumindest ein wenig aufhorchen.

„Center Of The Great Unknown“ bietet nebenher natürlich all das, was es verspricht. Artwork (Wasserdrachen, futuristische Architektur, Schiffe) und Lyrics (genrespezifische Regelpoetik) triefen vor Klischee. Und das ist auch völlig okay und hat seine Daseinsberechtigung. Unter dem Strich reicht das aber noch lange nicht. Eine richtige Zeitreise an den Anfang des Jahrtausends oder aber eine Reinvention des Sounds hätten Magica sicherlich gut getan. In der aktuellen Form aber ist „Center Of The Great Unknown“ lediglich uninspiriert und tritt auf einer Stelle, die viele anderen Bands schon anno dazumal links liegen gelassen haben. Alternativen finden sich glücklicherweise massig, seien es nun Bands wie Elvenking oder Labyrinth, die den Dreh geschafft haben oder alte Recken, die es damals schon verstanden haben, wie Power Metal zu spielen ist.

Anspieltipps:

  • Daca 2012

Neue Kritiken im Genre „Power Metal“
7.5/10

United Alive In Madrid
  • 2019    
Diskutiere über „Magica“
comments powered by Disqus