A Fine Frenzy - Pines - Cover
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A Fine Frenzy Pines


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

So komplex wie filigran – A Fine Frenzy erzählt ein mythisches Epos über Katastrophen und Vergänglichkeit und verliert dabei nie die Hoffnung.

Alison Sudol, der Musikwelt besser bekannt als A Fine Frenzy, ist ein wahres Multitalent. Natürlich schreibt sie ihre Musik selbst. Doch schon ein Blick in ihre natürlich ebenfalls selbst geschriebenen Songtexte zeigt erste Besonderheiten. Sie unterliegen alle gewissen dichterischen Rhythmen, welche die Texte fast für sich selbst singen lassen. Doch das scheint nicht genug, denn die Künstlerin schreibt außerdem Bücher und Drehbücher und engagiert sich nebenbei stark für die Umwelt.

Für „Pines“ mit an Bord ist Produzent Keefus Green (Dr. Dre, Ice Cube, Cassandra Wilson, Iggy Pop). Über ihre Wahl sagt Alison selbst: „Keefus ist einer der nettesten Menschen der Welt, spricht sehr sanft und ist ganz bescheiden. Er versteht es, das Beste aus einem herauszuholen. Und sein musikalischer Horizont gleicht einem Regenbogen. Einige seiner kunterbunten Ideen brachten mich wirklich zum Lachen - so wunderbar und unerwartet waren sie. Wir haben viel Spaß zusammen gehabt.“ Klingt nach besten Voraussetzungen für sie und ihre Musiker Omar Cowen (Gitarre), Jon Brion (Gitarre, Synthesizer, Pump Organ) und Jonathan Wilson (Schlagzeug, Percussion, Ukulele). So brachten die Musiker ihre Visionen in nur 7 Tagen im von Alison zauberhaft mit Tannenzweigen, Dias und Lichterketten dekorierten Capitol Studio auf Band.

Die grenzenlose Phantasie und die starken Bilder, die Alison erzeugt, halfen nicht nur den Musikern im Studio, sondern sind dank dieser Detailliebe auch für den Hörer leicht greifbar. Die Klangbilder sind überwiegend filigran und komplex zugleich. Um die Gefühle zu transportieren, die in den Grundgedanken der Songs liegen, bedarf es einfach keines großen Schnickschnacks. Und doch erfüllt unglaublicher Detailreichtum die Lieder und versetzt sie so in die Lage, die Gefühle zu transportieren, die Alison zu vermitteln wünschte. Ein gewisses Gefühl der Katastrophe und der Verzweiflung schwingt mit, das sich nicht ganz greifen lässt und dabei doch nie die Hoffnung verliert – kein Wunder bei einer so optimistischen Künstlerin, die es selbst trotz aller Krisen immer wieder schafft, ihren Weg zu finden.

Ihre besondere Liebe zu großen, zusammenhängenden Bildern und Gefühlen gepaart mit filigranen Klangwelten und einer einzigartigen Stimme hebt A Fine Frenzy aus der Masse ihres Genres. Sie ist eine Poetin unserer Zeit, die sich mit einfacher Musik nicht zufrieden zu geben scheint, sondern Traumwelten schafft. Sie verpackt kalte und auf ihre Art grausame Tatsachen wie die rasante Entwicklung der Zeit in große Allegorien, die dazu anregen, für einen Moment aus der Hektik des Alltags auszubrechen und zu reflektieren. Der Silberling erzählt die Geschichte einer Pinie („Pinesong“), die auf einem einsamen Berghang wächst. Einsamkeit und Verzweiflung sind greifbar und werden erst durch den Besuch eines Vogels („Avalanches (Culla's Song)“) durchbrochen, dessen Gesellschaft dem Baum neuen Lebensmut schenkt. Über die Geschichte des Albums sagt sie selbst: „Das Album beginnt in einer Zeit, in der vieles zu seinem Ende gekommen ist, und in der alles Gute für immer verloren gegangen scheint. Eines Tages verändert sich etwas und bringt einen Funken Hoffnung an einen dunklen Ort. Aus dieser Hoffnung erwächst die Chance auf einen Neubeginn… darauf, das Leben fortan selbst zu bestimmen statt dass es fremdbestimmt wird.“ So entwickeln sich im Laufe der musikalischen Geschichte mehr und mehr positive Gefühle, die schließlich in „It's Alive“ förmlich gipfeln.

Begleitet wird der komplexe Silberling von zwei weiteren Medien, die seine Geschichte abrunden. Zunächst sei das zugehörige Buch erwähnt, das von Jen Lobo illustriert wurde und die gesamte Geschichte der Pinie in zartem Versmaß erzählt. Außerdem hat Alison das Skript für einen Zeichentrickkurzfilm geschrieben, das von TakeParts umgesetzt wurde.

Mit „Pines“ hat A Fine Frenzy ein fabelhaftes Epos geschaffen, das ideal den Nerv der Zeit trifft. Ihre Musik reißt aus der Hektik der heutigen Zeit, lässt für einen Moment inne halten und regt gerade in der momentanen Herbststimmung zum Träumen an.

Anspieltipps:

  • Winds Of Wander
  • Avalanches (Culla's Song)
  • It's Alive
  • Untitled (Grasses Grow)

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Jellies
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