The Hirsch Effekt - Holon : Anamnesis - Cover
Große Ansicht

The Hirsch Effekt Holon : Anamnesis


  • Label: Midsummer/CARGO
  • Laufzeit: 67 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein progressiver Rockwirbel, der noch lernen muss, dass Schweigen Gold ist.

Progressive Rockmusik wird immer schwieriger zu machen. Mit fortlaufender Zeit gibt es immer mehr bands, die „neue“ Dinge längst ausprobiert haben. Gern genutzte Stilmittel sind deswegen kakophonische Klangfolgen und Rhythmen, die sich mit aller Kraft dem 4/4-Takt zu entziehen versuchen. Bestes Beispiel dafür ist der Opener und Titeltrack von The Hirsch Effekts neuem Album „Holon: Anamnesis“. Eine sphärische Nummer mit unpassend unsauberen Gesang, Streichern und genannten Rhythmen. Das Ganze lässt man in einen schon abgedrehten Hardrock-Song übergehen, der mit seiner manischen Geschwindigkeit den Blutdruck hochtreibt. Im guten, wie auch im schlechten Sinne.

Den Text will man nach einer Minute „Limerent“ auf die Müllhalde verbannen, doch der nahezu epileptisch wirkende Song ballert wenigstens dazu passend in gut vier Minuten alles raus, was man von Rockmusik gewohnt ist. Solo-Riffs, knarzende Bässe und ein Schlagzeug, das mindestens in Metal-Bereiche vorstößt. Danach verneigt man sich, wischt den Schweiß weg und schaut den Zuhörer herausfordernd an. The Hirsch Effekt haben gerade erst angefangen. Bis auf die unpassenden Lyrics (von inhaltlicher wie technischer Seite) ist das ein Höllenritt, der diesen Namen verdient hat.

„Absenz“ macht artig da weiter, wo „Limerent“ aufgehört hat. Stärken und Schwächen bleiben gleich, bevor die Rocker mit Größenwahn zu dem Klischee-Mittel der Progressive-Rock-Sparte greifen. Richtig: Überlänge! Die nächste halbe Stunde vergehen gerade mal drei (!) Songs, die sich daran versuchen der Komplexität ihres Genres gerecht zu werden. „Ligaphob“ stellt die nachdenkliche Ballade, die glücklicherweise nicht mit lauten Passagen überraschen möchte. Hier wird tatsächlich auf psychedelische und elektronische Elemente zurückgegriffen, was den Song zu einem angenehmen Ruhepol auf der Platte macht. „Agitation“ ist dagegen die große Hymne, wie man sie erwartet. Nur „Mara“ enttäuscht mit viel zu lang gedehnter Flut aus Aggression und Pausen dazwischen, die einfach im Nirwana des Gehörgangs absaufen.

Die abschließende Trilogie aus „Irrath“, „Ira“ und „Datorie“ ist hübsch überlegt. Die gespenstische Nummer „Irrath“ als Sprungbrett für das gnadenlose „Ira“, um in „Datorie“ den Schmerz der aggressiven Nummer verarbeiten zu können. Ein gutes Konzept, das allerdings durch noch bessere Lieder in allen Sparten (aggressiv: „Limerent“; ruhig: „Ligaphob“) in den eigenen Schatten gestellt wird und einen höheren Anspruch an die Band formuliert. Die angenehme Mischung aus Kunst und Aggression ist allerdings gut gelungen und für Metal interessierte ist dies ein Klangausflug der nicht zu lasch erscheinen dürfte. Man stelle sich einfach This Will Destroy You vor, die nach durchzechter Nacht zwischen Heulkrampf und Hahnenkampf emotional total aufgewühlt sind.

Anspieltipps:

  • Anamnesis
  • Limerent
  • Ligaphob

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
7/10

... And The Fallen Universe
  • 2018    
6/10

Love And Distortion
  • 2018    
Diskutiere über „The Hirsch Effekt“
comments powered by Disqus