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Lilabungalow Lilabungalow


  • Label: Kick The Flame/Broken Silence
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musik kommt dem Einfallsreichtum des Bandnamen gleich.

Cool, unangepasst und lässig. So haben wir die Rock-Rebellen in Großbritannien zur Zeit der Sex Pistols gesehen und verstanden. Heute hat sich die Kleidung etwas verändert und so sehr The Hives auch ohne Elektronik versuchen, abgeklärt zu sein, greifen viele Musiker auf synthetische Musik zurück. Klez.E sind wohl DIE deutschen Vorreiter, was den ambitionierten Pop aus organischen und synthetischen Elementen angeht. Die Hauptstädter bekommen jetzt aber Konkurrenz oder vielmehr Unterstützung aus der Hauptstadt in Gestalt von Lilabungalow. Die vier Männer haben sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, ihren ganz eigenen Flow im Pop-Business zu finden, anstatt sich einer vorhandenen Richtung hinzugeben. Das selbst betitelte Ergebnis kann sich auf Anhieb hören lassen.

Die übertrieben experimentelle Ader muss direkt nach dem Opener „Homeflow“ bewiesen werden, wenn der Song nach gut drei Minuten innerhalb desselben Tracks einer neuen Nummer Platz macht. Solche Spielereien gehören sonst ans Ende einer LP, aber der groovige Hidden Track ebnet den Weg und die Stimmung für ein einstündiges Hörerlebnis ohne Fesseln. Nachdem sich schon „Homeflow“ mit abgeklärter Melodie und dem halb gehauchten Gesang clever im Kopf einnistet, schafft die Band es durchgängig, Interesse und Melodie zusammenzubringen. Obwohl die Melodien durchgehend tanzbar und leicht einzuprägen sind, kommen Bläser, Handclaps, Synthesizer, Percussion und verschiedene Stile nicht zu kurz. Es ist schon zu viel, um es in einer Kritik unterzubringen, was Lilabungalow da auf den Hörer loslassen.

Eigentlich werden recht konventionelle Tracks auf den Hörer losgelassen, die einfach nur sehr einfallsreich instrumentalisiert wurden. Da wird problemlos zwischen Dance, Disco und Pop-Rock hin und her gewechselt und allein der typisch coole (und sehr limitierte) Gesang könnte eineiige Hörer abschrecken. Allerdings wurden die Stimmungen der Songs brav um den Gesang herum strukturiert, sodass das stimmungsvolle Gesamtbild stets erhalten bleibt und kein Ton deplatziert wirkt.

Was ist diese Musik am Ende? TripHop, Dance, Disco, Pop oder Indie? Oder gleich alles beisammen? Lilabungalow haben ein unglaublich facettenreiches Album geschaffen, welches in seiner künstlerischen Unnahbarkeit eine Anziehungskraft entwickelt, die sich in der ständigen Neuentdeckung von Details in den Liedern widerspiegelt. Und wenn all der Erkundungsdrang erloschen ist, bleiben immer noch 12 großteils sehr tanzbare, eingängige Nummern übrig, die zum Wiederhören einladen. So viel Potenzial, wie sich hier auf dem Debüt zeigt, lässt eine große Zukunft erhoffen, für die sich gar nicht viel ändern muss. Denn was immer der Stil von Lilabungalow am Ende auch sein mag, gut ist er auf jeden Fall.

Anspieltipps:

  • Elephant
  • Rider Sports
  • Double 8

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