Evocation - Illusions Of Grandeur - Cover
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Evocation Illusions Of Grandeur


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Hüter des „Stockburg Sounds“ heften sich an die Fersen von Amon Amarth und Dark Tranquillity.

Mit „Evoked From Demonic Depths: The Early Years” (06/2012) startete bei Century Media eine gelungene Großoffensive, um einen ganz speziellen Act willkommen zu heißen: Evocation. Die Truppe rund um Thomas Josefsson (aktuell noch mit im Boot: Marko Palmen (Gitarre), Vesa Kenttäkumpu (Gitarre), Gustaf Jorde und Janne K. Boden am Schlagzeug) mischte sich Anfang der 90er Jahre mit zwei Demos in den Höhepunkt des Schwedendeaths ein und kreierte auf eigene Faust eine Mischung aus dem „brutalen, punkigen „Stockholm Sound“ und dem melodischeren „Göteburg Sound“, wodurch der Begriff „Stockburg Sound“ geprägt wurde. Den Anschluss verpasste das Schwedengespann aufgrund zahlreicher Trennungen und „bandinterner Querelen“, die keinen fruchtbaren Boden gaben, um neues Material zu veröffentlichen und mit Dark Tranquillity, Dismember oder At The Gates mithalten zu können.

Ein Jahrzehnt später raufte man sich wieder zusammen: „Als wir uns im Sommer 2005 trafen, war der Plan einfach die Demo Tracks von 1992 zu spielen, um zu schauen, wie es so klappen würde und ob uns das Zeug überhaupt noch Spaß machen würde. Da überkam uns das Feeling der frühen 90er, es war einfach wie früher. Danach ging alles ganz schnell, wir entschieden uns, nicht einfach nur die Demostücke zu zocken, schrieben neue Songs und gingen plötzlich als Support von Cannibal Corpse auf große Europa Tour, spielten Festivals inklusive dem Wacken und kamen zu dem Schluss: Wir machen so lange weiter, bis wir keinen Spaß mehr daran haben.“ Der Spaß gipfelte bislang in den drei Studioalben „Tales From The Tomb“ (04/2007), „Dead Calm Chaos“ (11/2008) und „Apocalyptic“ (10/2010), dem nun mit „Illusions Of Grandeur“ die Krone aufgesetzt wird. Evocation sind mit ihrem Century Media-Debüt nicht nur wieder ganz oben angekommen, sondern liefern auch das stärkste Material ihrer Karriere ab.

Bereits der eröffnende Titeltrack versammelt als vor Energie strotzendes Kraftbündel die Quintessenz des „Stockburg Sounds“ und rumpelt als sowohl melodisches, wie auch mit rauen Klängen spielende Nummer aus den Boxen, während die nachfolgenden „Well of despair“ und „Divide and conquer“ epische Komponenten beimengen und den Wikingerhafen von Amon Amarth ansteuern. Dieser wird mit dem verspielten „Perception of reality“ wieder verlassen, „Metus odium“ und „I´ll be your suicide“ trotzen headbangend mit hymnischem Songwriting der stürmischen See und „Crimson skies“ setzt sich mit einem einzigartigen Gespür für Dynamik als wohl beste Melodeath-Komposition der letzten Jahre unverzüglich im Langzeitgedächtnis fest. Anschließend arbeitet Johan Hegg fleißig am Untergang seiner Stammband mit und veredelt das donnernde „Into submission“ mit seinen grummeligen Vocals.

Zum Abschluss geht es in „The seven faces of god“ mit gewitzten Tempowechseln in die Achterbahn und „Final disclosure“ räumt als wuchtige Dampfwalze die letzten Bedenken beiseite, es würde sich bei „Illusions Of Grandeur“ nur um eine Kopie verschiedener Schwedendeathstile handeln. Denn sind wir mal ehrlich: Wenn die sogenannten Vorreiter der Szene nur mehr auf Sparflamme köcheln und ein ehemaliger Platzhirsch wie Evocation mit ordentlich Nachdruck das Szepter an sich reißen will, kann es für die Fans von kompromisslosem und genial durchdachtem Melodeath der alten Schule nur von Vorteil sein. Paradigmatisch hierfür steht „Illusions Of Grandeur“ mit stolz geschwellter Brust an der Front.

Anspieltipps:

  • Crimson Skies
  • Into Submission
  • Well Of Despair
  • Perception Of Reality
  • The Seven Faces Of God

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