Devil Sold His Soul - Empire Of Light - Cover
Große Ansicht

Devil Sold His Soul Empire Of Light


  • Label: Small Town/INDIGO
  • Laufzeit: 59 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Hardcore-Dampfschiff Devil Sold His Soul steuert von nun an einen kleineren Hafen an, das Material bleibt jedoch weiterhin großartig.

14 Monate ist es her, seitdem Ed Gibbs (Gesang), Jonny Renshaw (Gitarre), Rick Chapple (Gitarre), Jozef Norocky (Bass, ist für Iain Trotter eingesprungen), Paul Kitney (Samples) und Alex Wood (Schlagzeug) mit „Blessed & Cursed“ (07/2010) dem Hörer die Kehle zuschnürten und erst wieder nach wuchtigen 64 Minuten den Griff zu lockern begannen. Das Century Media-Debüt versammelte elektrisierenden Post Hardcore vom Feinsten und Fans des Genres sperrten die Gehörgänge in den folgenden Monaten besonders weit auf, um keinesfalls zu verpassen, wenn die sechs Südengländer erneut die Segel hissten. Leider stellte sich dieses Vorhaben schwieriger heraus als gedacht und nach bescheidenen Verkaufszahlen für „Blessed & Cursed“ waren Devil Sold His Soul erstmal ihren Deal mit Century Media los.

Der Sechser begann dennoch an neuen Songs zu schreiben und krallte sich für die Veröffentlichung des Nachfolgers das kleine britische Indielabel Small Town Records. Am Grundprinzip hinter den emotionalen Hardcore-Kompositionen der Londoner ändert dies freilich nichts, Gibbs & Co. versuchen ein weiteres Mal mit dichter Atmosphäre und bedrückenden Themenkreisen zu punkten, die einen melancholischen Gestus praktizieren, der bei sensiblen Gemütern für erhöhte Suizidgefahr sorgen könnte. Zwar scheuen sich Devil Sold His Soul nicht davor auch aufmunternde Lichtblicke in ihr Schaffen einzustreuen und sorgen z.B. mit „The waves and the sea“ für feuerzeugschwenkende Augenblicke im Stadion, doch gerade derartige, ohne peinlich zu wirkende Ausflüge in sonnigere Gefilde, machen den Reiz von „Empire Of Light“ aus, das noch stärker als der Vorgänger das Prinzip von Ko- und Adhäsion herausfordert.

Herrzerreißendes Geschrei wechselt sich permanent mit weltumarmenden Melodien ab („A new legacy“), plötzlich aufbäumende Gitarrenwände drücken den Hörer erbarmungslos gegen die nächste Mauer („No remorse, no regrets“) oder erschlagen ihn kurzerhand („VIII“), perfekt inszenierte Dramatik lässt das Blut in den Adern gefrieren („It rains down“) oder ein episches Post Hardcore-Gemälde entsteht als prachtvolle Veranschaulichung von Progressivität und Weltschmerz mit mehreren Twists und Melodien zum Niederknien („End of days“) – Devil Sold His Soul entführen in einen faszinierenden Schlagabtausch zwischen dem Vorhof zur Hölle und dem Garten Eden. Was „Empire Of Light“ auf den letzten Metern allerdings den Meisterwerk-Status kostet, ist der unschlüssige Weg vom Mittelteil zum Finale, da der Sechser trotz Einhaltung des Gleichgewichts lediglich ein paar Parameter abändert und nur eine Variation aus unbarmherzigem Donner („Time and pressure“), um sich schlagender Wut („Sorrow plagues“) und sanfter Brise („Salvation lies within“, „Crusader“) vollzogen wird.

Erst „The verge“ fügt sich wieder als atemberaubende Naturgewalt aus ruhigen Pianoklängen, akzentuiertem Schlagzeug und durchdachter Struktur in den Kanon der Höhepunkte auf „Empire Of Light“ ein und begeistert nachhaltig. Klar, Devil Sold His Soul sind nicht At The Drive-In oder Boysetsfire, aber die beeindruckenden Klanglandschaften, die sie mit ihren bisherigen Studioalben beschritten haben, sind es wert, gehört, geliebt und bewundert zu werden. Einen kleinen Achtungserfolg hätte sich der dritte Longplayer der sechs Jungs jedenfalls redlich verdient.

Anspieltipps:

  • The Verge
  • It Rains Down
  • A New Legacy
  • The Waves And The Seas

Neue Kritiken im Genre „Post Hardcore“
Diskutiere über „Devil Sold His Soul“
comments powered by Disqus