One Direction - Take Me Home - Cover
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One Direction Take Me Home


  • Label: Syco Music/Sony Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

In Sachen Boybands scheiden sich die Geister. Es bedarf einer objektiven Betrachtung, um die Qualität der jungen Gruppe zu messen. Haben die fünf Briten Chancen?

Kaum ein anderes musikalisches Gefüge hat das Potential, die heterogene Landschaft der Musikhörer in zwei Lager zu teilen, wie die sogenannten Boybands. Ihre Geschichte hat ihre Anfänge in den 70ern mit den Jackson 5 und findet ihren Höhepunkt in den 80ern und 90ern mit Bands wie den Backstreet Boys, New Kids on the Block und Take That. Nun sieht es aus, als würde auch dieses Jahrzehnt einen Namen hervorbringen wollen: die britische Boygroup One Direction.

In der langen Tradition der Boybands wurden keine musikalischen Höhen und Tiefen ausgespart, mit jedem neuen Stück und Album die Lager weiter gespalten, mit jedem Auftritt und Konzert kreischende Mädchen hinzugewonnen. Nun kann man zu Boybands stehen, wie man will. Um sich ein wirklich objektives Bild machen zu können, muss man sich folgendes anschauen: Die Geschichte, die musikalische Leistung und die Erfolgschancen.

Beginnen wir also mit der Geschichte der britischen Konstellation – und diese ist tatsächlich beachtenswert. Fünf Mitglieder hat One Direction, eine Zahl, die sich über die Jahre in Sachen Boybands augenscheinlich bewährt hat: Niall Horan, Zayn Malik, Liam Payne, Harry Styles und Louis Tomlinson. Allesamt traten sie beim britischen Pendant zu „X-Faktor“ an, allerdings als Einzelkandidaten. „Aus fünf mach eins“, das war Nicole Scherzingers Idee. Die Jungs befolgten ihren Rat und kürten somit noch vor Ende der Castingshow die Geburtsstunde der Band. Letztendlich erreichten sie nur den dritten Platz, doch der Funke war übergesprungen.

Von nun an sollte alles ganz schnell gehen. One Direction unterschrieb einen Plattenvertrag mit Sony Music, veröffentlichte die Single „What makes you beautiful“, die augenblicklich den ersten Platz der britischen Charts erreichte und legte nur kurze Zeit später das Album „Up all night“ nach. Der Erfolg in anderen Ländern blieb nicht lange aus. Seither, so scheint es, haben sich die fünf jungen Männer kaum eine Pause gegönnt: Es folgte ein großer Auftritte zur Schlussfeier der Olympischen Spiele und nur ein Jahr nach dem Debüt nun das zweite Album.

Die musikalische Leistung auf diesem Werk ist schon schwerer zu messen, als etwa die Geschichte und der Fleiß der Band. „Take me home“ ist eindeutig ein Werk des Pops, mit ruhigeren Songs wie „Last First Kiss“ und rockigeren Beats wie „Rock me“ oder auch eingängigen Melodien wie der ersten Single „Live while we're young“. Die Fünf ergänzen sich stimmlich – es sind hohe und tiefe, raue und sanfte Töne zu hören. Kurzum: es ist ein Album, wie man es von einer Boyband erwartet – und dadurch eben durchschnittlich. Doch eines darf hervorgehoben werden: die Lyrics, die zugegebenermaßen zum größten Teil das Klischee erfüllen, wagen ab und an Abstecher in überraschende Tiefen. So wird die Band auch der Verantwortung, die sie mit kreischenden, pubertierenden Teenagern als Fans nun einmal hat, gerecht. „Little things“ zum Beispiel ist ein Lied gegen Selbstzweifel, gegen den Schönheitswahn und für die inneren Werte.

Womit wir auch schon beim dritten Teil des objektiven Betrachtungsversuchs wären: Eine gute Mischung aus Sex-Appeal und Sympathiefaktoren, gepaart mit hitverdächtigen Melodien und Ausflügen in die Sentimentalität, lassen die Erfolgschancen für One Direction nicht allzu schlecht aussehen. Sollten nun – trotz des hohen Tempos und Drucks – Burnout und Drogenkonsum verhindert werden können, sollten die Vorgänger also nicht als Vorbilder dienen, dann stehen die Sterne für die Briten wohl ganz gut. Dazu kann man stehen wie man will, es bleibt nur die Frage, ob der Zug längst abgefahren oder die Zeit reif ist für eine neue, ganz große Boyband.

Anspieltipps:

  • Little things
  • Change my mind
  • Rock me
  • I would

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