And You Will Know Us By The Trail Of Dead - Lost Songs - Cover
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And You Will Know Us By The Trail Of Dead Lost Songs


  • Label: Superball/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Trail Of Dead bringen den Punk in die Independent-Kultur.

Zehn Worte für ein Halleluja, gepriesen sei ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead. So lautet das allgemeine Kredo der Presse für diese Ausnahmeband aus Texas. Texas, was kann man auch schon großartiges in Texas machen?! Entweder man dopt und fährt Fahrrad oder man dopt und macht Musik. Beides kann einiges an Erfolg mit sich bringen. Conrad Keely und Jason Reece entschieden sich für die Musik - das Dopen wollen wir ihnen mal nicht unterstellen - und veröffentlichen zusammen mit ihrer aktuellen Ergänzungstruppe, bestehend aus Autry Fulbright II und Jamie Miller, ihr achtes Studioalbum. Verrückterweise tauschten sie für die Aufnahmen zu „Lost Songs“ die texanische Einöde gegen eine niedersächsische Einöde namens Hannover.

In der neuen Musik finden sich Themen wie Politik, der Kampf um künstlerische Freiheit, ein Tribut an Pussy Riot und weiteres artverwandtes. Sobald solche Themen in der Musik auftauchen, bekommt sie eine gewisse Portion an rebellischer Attitüde. Bei Trail Of Dead bedeutet dies weniger Progressive Rock und dafür wieder mehr Independent. Die neuen Kompositionen sind direkter, härter und schnörkelloser als die von „Tao Of The Dead“. Keine Streichinstrumente, keine übersüßten Klaviertöne, keine sonstigen überflüssigen Kleinigkeiten. Der Geist des Punk schwingt überall mit, ob in den Akkorden, der rohen Art oder einigen gemeinsamen Gesangschören und spätestens bei „Bright Young Things“ wird der Punk regelrecht greifbar. Das Album beinhaltet teils sehr unterschiedliche Songs, wodurch zwar genügend Abwechslung vorhanden ist, dafür aber keine einheitliche Stimmung und keine Zugehörigkeit zu einem Ganzen aufkommt.

Bereits der Opener vollbringt eine ordentliche Energieleistung, aber in den nächsten drei Songs fetzen die Gitarren immer mehr bis am Ende von „Opera Obscura“ die schnellen Akkorde und peitschenden Drums, das Tempo und die Power regelrecht abgewürgt werden und mit „Lost Songs“ eine kurze Entspannung eintritt. Die künstlerische Unbeschwertheit wird ab und an kurz aufgezeigt, bevor sie mit Füßen niedergetrampelt wird. In „Pinhole Cameras“ und „Up To Infinity“ gibt es so eine kurze Tempoabnahme. Alles scheint plötzlich ganz locker und unbeschwert, bevor die Schraube noch mal angezogen wird. In „Up To Infinity“ gesellt sich noch eine schrammelnde Gitarre hinzu, wie eine zusätzliche Stimme, die ständig dazwischenfunkt. Das Tempo bleibt hoch. Neben dem etwas langweiligen Titelsong gibt es noch zwei Stücke, die sich durch ihre langsamere Gangart vom Rest abheben, „Awestruck“ und das leicht psychedelische „Flower Card Games“.

Es fällt schwer, sich den überschwänglichen Lobhuldigungen der Presse in ihrer Gänze anzuschließen. „Lost Songs“ ist ohne jeden Zweifel ein sehr gutes Stück Musik, schlechte Alben von Trail of Dead gibt es auch nicht, dafür ist ihre Musik zu einzigartig und die Kompositionen zu gut durchdacht. Diesem Album fehlt die gewisse Detailtiefe und zusammenschweißende Atmosphäre. Dafür strotzt es eben vor Energie und Kompromisslosigkeit. Die zweite Hälfte fesselt leider nicht mehr so stark wie die erste, aber es gibt auf „Lost Songs“ mehr als genug zu entdecken. Solchen Ideenreichtum würde nicht nur eine Band auch gerne besitzen.

Anspieltipps:

  • Opera Obscura
  • Pinhole Cameras
  • Flower Card Games
  • Up To Infinity

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