Sophie Hunger - The Danger Of Light - Cover
Große Ansicht

Sophie Hunger The Danger Of Light


  • Label: Two Gentlemen/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das dritte Album des Schweizer Ausnahme-Talents begeistert, wie bereits seine Vorgänger, mit einer Mischung aus Jazz, Blues, Pop und Singer-Songwriter-Folk auf Englisch, Französisch und Schwyzerdütsch.

Die Art von Musik, die Sophie Hunger macht, lässt sich nur schwer definieren. Eine Mischung aus Singer-Songwriter, mit vielen Jazz- und Indie-Pop-Elementen. Sie singt und experimentiert auf Englisch, Französisch oder charmantem Schwyzerdütsch. So wie es der 29-Jährigen gerade passt. Ohne Zweifel ist Sophie Hunger ein Ausnahmetalent, das noch vor wenigen Jahren nicht einmal in der Schweiz einen großen Bekanntheitsgrad genießen konnte. Zu Recht sorgten ihre Alben „Monday’s Ghost“ (2008) und „1983“ (2010) für internationalen Erfolg, diverse Auszeichnungen und Konzerte in der ganzen Welt.

Mittlerweile ist Sophie Hunger kein ganz so unbeschriebenes Blatt mehr. Erst vor kurzem war die Schweizerin auf dem neuen Album „Hallo Welt!“ von Max Herre vertreten. „Berlin – Tel Aviv“, ein schönes Klavier-Stück, auf dem Hunger den Stuttgarter HipHop-Musiker gesanglich unterstützt. Wer jemals einen Live-Auftritt von Sophie Hunger erlebt hat, weiß, dass die Künstlerin es trotz ihres eher unscheinbaren Auftretens schafft, ganze Clubs in ihren Bann zu ziehen. Dieses Talent beweist sie auch auf „The Danger of Light“. Was die Schweizerin auszeichnet, ist eine Stimme, die sowohl kraftvoll als auch unglaublich zerbrechlich klingt. Das neue Album ist in mühsamer Kleinstarbeit entstanden und dem Perfektionismus der Sängerin erlegen: Nach den ersten Aufnahmen für „The Danger of Lights“ in Frankreich zog es Sophie Hunger nach Nordamerika, wo sie mit Musikern wie Josh Klinghoffer (Red Hot Chili Peppers, PJ Harvey) oder Nathaniel Walcott (Bright Eyes) zusammenarbeitete. Es folgten Aufnahmen in Montreal, bis die Schweizerin irgendwann mit ihrem Material zufrieden war.

Möchte man dieses Album vollkommen platt bewerten, so könnte man sagen: „Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk!“. Ein Glück, dass sich bei Sophie Hunger jedoch mehr Anhaltspunkte für ein herausragendes Album finden lassen. Das neue Werk vereint ganz eindeutig die schönsten Elemente aus Pop, Jazz, Indie und Singer-Songwriting. Vor allem „LikeLikeLike“ versprüht diesen jazzigen Sound, ganz luftig-locker und gar nicht schwermütig. Euphorisch und eine geheime Liebeserklärung an „Baby, Let Me Follow You Down“, ganz nach Bob Dylan. Dagegen ist „Souldier“ eine verrauchte Ballade, schwermütig und ein bisschen erdrückend. Sich selbst bezeichnet Hunger jedoch keineswegs als melancholisch, wie sie kürzlich in einem Interview mit der ZEIT bekannt gab. „Can You See Me?“ erinnert an den neuen Dream Pop der Band The XX und ganz dramatisch und energisch klingt Hungers „Holy Hells“. „Z’Lied vor Freiheitsstatue“ ist ein besonders gutes Beispiel für die Sprach-Experimente, erklingt im knarzigen und doch charmanten Schwyzerdütsch.

Ebenso textlich ist auch auf „The Danger of Light“ erkennbar, dass Sophie Hunger einen ganz besonderen Hang zum Intellektuellen, Gesellschaftskritischen hat: "Dreißig ist das neue zwanzig, der Mann ist die neue Frau, Freiheit ist das neue Gefängnis und Reich ist das neue Schlau. Islam ist die neue katholische Kirche und Deutschland die neue Türkei, die Schweiz schon bald um sieben Gebirge und jetzt ist das Neue vorbei." („Das Neue“). Im Großen und Ganzen ist auch „The Danger of Light“ ein ruhiges und bedächtiges Album geworden. Es erinnert an seine Vorgänger, bewegt sich allerdings etwas energischer als „1983“ oder „Monday’s Ghost“. Die Vorsicht ist scheinbar dem Mut und selbstbewussten Künstler-Ich gewichen. Eine „Rererevolution“ findet auf „The Danger of Light“ nicht statt, es wird dafür aber noch ein kleines bisschen besser.

Anspieltipps:

  • LikeLikeLike
  • Perpetrator
  • Das Neue
  • Can You See Me?

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
6.5/10

Trouble No More: Bootleg Series Vol. 13 (1979-1981)
  • 2017    
Diskutiere über „Sophie Hunger“
comments powered by Disqus