Kylie Minogue - The Abbey Road Sessions - Cover
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Kylie Minogue The Abbey Road Sessions


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn schon, denn schon: Kylie Minogue saniert ihre Songs. Nick Cave darf mit anpacken, Jason Donovan muss glücklicherweise zu Hause bleiben.

Kylie Minogue wandelt ein wenig zwischen den Welten: Teenie-Schwarm, Schwulen-Ikone, Modepüppchen - all dies war sie in den ersten Jahren ihrer Musikkarriere - bevor sie im Jahre 1995 auf Nick Cave traf. Die Zusammenarbeit mit ihrem musikalisch über jeden Zweifel erhabenen Landsmann brachte ihr ein gerüttelt Maß an künstlerischer Anerkennung. Dass Minogue schon vor "Where The Wild Roses Grow" sehr bewusst an ihrem Image gearbeitet hatte und längst nicht mehr nur das hübsche Mädchen war, das die Songs der Hitfabrik Stock/Aitken/Waterman vor allem über die Optik verkaufen sollte, war an der Öffentlichkeit noch weitestgehend vorbeigegangen.

Mit den „Abbey Road Sessions“ wechselt die mittlerweile 43-Jährige endgültig von der Discothek in die Bar: Für die Aufnahmen mit Band und Orchester hat sie ihre Songs völlig neu arrangiert. Dafür hat sie ihnen sämtliche Stöpsel gezogen - was durchaus mutig ist. Denn für die Mehrzahl ihrer Hits waren die elektronischen Bässe das, was für den Menschen der Pulsschlag ist. Gestorben ist ohne den Lebenssaft aus der Steckdose jedoch keines ihrer Lieder, im Gegenteil: Ein Titel wie „Can‘t Get You Out Of My Head“ wirkt, getrieben von dramatischen Streichern, plötzlich deutlich lebendiger als in der Originalversion.

Überhaupt ist es überraschend, welche Substanz vielen ihrer Kompositionen inne liegt: „I Believe In You“, eigentlich von eher schlichter Struktur, wächst sich in der neuen Version zu einer Ballade aus, die so kraft- und gefühlvoll daherkommt, als habe sie erst jetzt ihre eigentliche Bestimmung gefunden. Schön auch, wie sich „Finer Feelings“ nun plötzlich in dunklen Moll-Tönen suhlt oder „Better The Devil You Know“ vom Klavier in ungeahnte Tiefen getragen wird. Immer geht das neue Konzept indes nicht auf: „Do The Locomotion“ schlägt im etwas gewollt-fröhlichen Swingsound arg aus der Reihe, „I Should Be So Lucky“ taugt allein textlich schon nicht für das neue Gewand.

Bemerkenswert stark ist hingegen die stimmliche Leistung der Australierin. Wie das einst so dünne Stimmchen hier im Alleingang bei „Confide in Me“ einen hypnotisch-düsteren Sog erzeugt oder sich bei „Come Into My World“ selbstbewusst und voluminös in den Vordergrund drängelt - das hat durchaus Größe. Ein kleines Schmankerl gibt es mit dem bisher auf keinem Album erschienenen „Flowers“, bleibenden Eindruck hinterlässt der Neuling allerdings nicht. Ausreichend Kaufargumente liefern die „Abbey Road Sessions“ dennoch, weil der neue Ansatz hier tatsächlich konsequent zu Ende gedacht wirkt. Lediglich „Where The Wild Roses Grow“ klingt hier im Vergleich zum Original fast unverändert, kam - anders als der Rest - jedoch auch schon vor 18 Jahren ohne elektronische Spielereien aus.

Anspieltipps:

  • On A Night Like This
  • Finer Feelings
  • Can’t Get You Out Of My Head
  • Where The Wild Roses Grow

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