Neil Young - Psychedelic Pill - Cover
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Neil Young Psychedelic Pill


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 88 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

In einem Rekordtempo legt Neil Young neue Alben vor und entwickelt sich dabei zu alter Hochform zurück.

Wie jetzt?! Schon wieder eine neue Platte von Neil Young? Die letzte Veröffentlichung („Americana“, 06/2012) ist doch noch nicht einmal fünf Monate her. Okay, auf dem Longplayer befanden sich lediglich elf Coverversionen, die aber auch erst einmal eingespielt werden müssen. Und das Album davor („A Treasure“, 06/2011) hat auch noch keine 18 Monate auf dem Buckel. Woher kommt diese plötzliche Arbeitswut des Kanadiers, der auf „Psychedelic Pill“ wieder auf seine genialische Begleitband Crazy Horse zurückgreift, die Young seit 1975 in unverändertem Line-up, bestehend aus Poncho Sampedro (Gitarre), Billy Talbot (Bass) und Ralph Molina (Drums), zur Seite steht.

In den Audio Casa Blanca Studios auf Youngs Broken Arrow Ranch entstand ein neun Songs umfassendes Doppelalbum, bei dem John Hanlon (R.E.M., Stephen Stills, T-Bone Burnett, The Beach Boys) als Produzent an den Reglern saß. Doch Moment? „Nur“ neun Songs (von denen der Titeltrack in zwei verschiedenen Versionen vorhanden ist) und dann gleich ein Doppelalbum? Oha! Spätestens jetzt weiß der Kenner, dass Herr Young a.) offenbar sehr viel zu erzählen hat und b.) jede Menge Raum für ausufernde Klanglandschaften auf der E-Gitarre benötigt.

Wie der Albumtitel schon andeutet, ist „Psychedelic Pill“ ein annähernd 90-minütiger Ausflug in psychedelische Gefilde im Stile der 60er Jahre, in denen es völlig normal ist, dass gleich der Opener „Driftin‘ back“ fast eine halbe Stunde vor sich hin mäandert (noch nie war ein Neil-Young-Song länger!) und scheinbar in einem Rutsch sämtliche musikalische Stationen aus über vier Jahrzehnten im Schaffen des Meisters abgrast. So werden die alten Fans vielleicht ein paar Tränen verdrücken, wenn es auf „Psychedelic Pill“ wie früher poltert, dröhnt, knackt und rauscht, dass der Hörer glauben muss, seine Stereoanlage sei kaputt oder es lande gerade ein Jumbo Jet vor dem Haus.

Und sind wir doch mal ehrlich, solche Songs sind es, die wir von Neil Young und Crazy Horse hören wollen: Allerfeinster, epischer Rumpel-Rock’n’Roll mit sentimentalen Hymnen auf die Heimat („Born in Ontario“), windschiefen Liebenserklärungen an imaginäre Musen („She’s always dancing“) und sanften Balladen („Fort he love of man“). All dies bringt Neil Young auf diesem Album weitaus besser als in der jüngeren Vergangenheit unter und knüpft damit endlich wieder an seine frühen Großtaten an.

Anspieltipps:

  • Ramada Inn
  • Driftin‘ back
  • Walk like a giant
  • She’s always dancing

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