Flying Lotus - Until The Quiet Comes - Cover
Große Ansicht

Flying Lotus Until The Quiet Comes


  • Label: Warp/Rough Trade
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Was vom Tage übrig blieb: Steven Ellison alias Flying Lotus kreiert ein flimmerndes Soundgemälde, das in etwa so neugierig wie ratlos macht.

Möglicherweise war es ursprünglich tatsächlich mal ein großes Ganzes, ein gewaltiges Kunstwerk. Irgendwas Surrealistisches, das unendlichen Raum lässt für kluge Assoziationen. Sicher ist: Jetzt ist es ein Puzzle. Eines mit weit mehr als jenen 18 Teilen, in die sich sie Playlist von „Until The Quiet Comes“ aufteilt. Steven Ellison alias Flying Lotus hat’s gemalt und dann zerfetzt - und der Hörer muss es nun mühsam wieder zusammensetzen. Was ein bisschen fies ist, weil er es schließlich nicht gewesen ist, der es kaputt gemacht hat.

Immerhin: Es gibt viele Helfer. Das Rauschen im Blätterwald ist mächtig, kein großes Magazin verzichtet darauf, sich als eloquenter Hinweisgeber zu verdingen. Und alle sind sich einig: Es ist toll. Wirklich toll. Die ganz, ganz, ganz große Nummer. Nur weshalb, das vermag keiner fassbar zu beschreiben. Wie es sich seit jeher für große Kunst gehört: „Niemand auf der Welt bekommt so viel dummes Zeug zu hören wie die Bilder in einem Museum“ hat Schriftsteller Jules Huot de Goncourt mal bemerkt.

Für den Verfasser dieser Zeilen ist nach zwölf Durchläufen noch nicht einmal ein Umriss in Sicht. Frustrierend: Die Randstücke fehlen noch fast vollständig. Nur in der Mitte, da ist etwas heil geblieben: „Putty Boy Strut“ heißt das hektische Stück, das einen fantastischen Soundtrack für eine Neuauflage der Lemminge gäbe. Fröhlich und entschlossen dem Abgrund entgegen. Allein dafür scheint dieser Track komponiert, der tatsächlich erkennbar über etwas verfügt, das bei Ellisons Collage zerstückelter Beats und Loops keineswegs selbstverständlich ist: Anfang und Ende.

Die Extravaganz des Künstlers lässt sich auch am Umgang mit seinen Freunden messen: Da singen Götter wie Thom Yorke (auf „Electric Candyman“) und Erykah Badu („See thru to u“) mit, und der Producer legt ihre Stimmen irgendwo unter ferner liefen im Hintergrund des Geschehens ab. Faszinierend ist all dies trotzdem irgendwie, die einzelnen Teile wecken Neugier. Ein bisschen Free-Jazz hier (Ehrensache, wo doch an einem entfernten Zweig des Familienstammbaums der Ellisons Alice Coltrane hängt), ein wenig futuristischer HipHop da, manchmal gar satter Soul - der Spaß am Puzzeln ist gegeben. Nur braucht es eben Geduld und Zeit. „Immer schön von außen nach innen“, hat Mama einst gelehrt. Gut, wird „Putty Boy Strut“ vorerst ignoriert. Aber wo sind bloß diese verdammten Randstücke?

Anspieltipps:

  • Getting There
  • Putty Boy Strut
  • Electric Candyman

Neue Kritiken im Genre „Electro“
Diskutiere über „Flying Lotus“
comments powered by Disqus