Between The Buried And Me - The Parallax II: Future Sequence - Cover
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Between The Buried And Me The Parallax II: Future Sequence


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 73 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

So komplex wie die Relativitätstheorie und die Naturgesetze, die unser Universum beschreiben, auf Quantenebene versteht sich.

Planetenkunde
Vor über einem Monat erschien der zweite Teil der großen Saga von Between The Buried And Me über ein Universum mit zwei gottähnlichen Charakteren, einem Protagonist und einem Antagonist, die dort ihr Unwesen treiben. Der erste Teil erschien als eine 30-minütige EP „The Parallax: Hypersleep Dialogues“ und findet nun seine Fortsetzung auf dem 73-minütigen zweiten Teil. Das Wort Parallax hat mehrere Bedeutungen im astronomischen Kontext, unter anderem bezeichnet es eine Methode zur Bestimmung der Entfernung zwischen zwei Sternen, was im übertragenen Sinne die Entfernung der beiden Charaktere zueinander, sprich deren unterschiedliche Auffassung, wiederspiegeln könnte. So viel zur philosophischen Seite, erst einmal.

Space Odyssey
Ein wunderbar schwebendes und leichtes Intro geleitet uns in die Space Odyssey, die kurz darauf wie ein Inferno über einen hereinbricht. Der saubere Gesang verwandelt sich in wütende Growls, die Musik explodiert wie der Urknall. Das Album ist wie eine zähflüssige Ursuppe, deren enorme Gewürzvielfalt und Temperatur einem zunächst die Zunge betäubt und den Geschmack raubt, aber bei der richtigen Wartezeit und einem behutsamen Konsum entfaltet sich diese Vielfalt zu einem faszinierenden Geschmackserlebnis. Eine rasante Reise durch Raum und Zeit mit meist 10-minütigen Stücken, die nur ab und an durch kurze Zwischensequenzen verlangsamt und beruhigt wird.

Musikalische Relativitätstheorie
Musikalisch zieht das amerikanische Quintett so ziemlich alle möglichen Register der Metalmusik. Von Progressive über Death Metal bis Mathcore ist fast alles vertreten, miteinander vermengt, durchgekaut und wieder ausgespuckt. Anders ausgedrückt tanzen Devin Townsend und Dream Theater eine Polka auf Speed und anderen Drogen. Länger als eine Minute halten es die Musiker bei einem Thema nur selten aus, es muss ein Break her, ein anderes Motiv oder wenigstens das Tempo variiert werden. In all dem Chaos tauchen aber immer wieder kurze Melodien oder Glockenspiele auf, wie kleine Engel, die sich in die Arbeit der Götter einmischen. Zu keiner Zeit hört sich die Musik wie eine Zurschaustellung von Können oder nach unnötigen technischen Prahlereien an. Sie stellt einen komplexen Sachverhalt dar und wird von einer entsprechenden Atmosphäre, auch dank des Keyboards, zusammengeschweißt.

Helio- versus geozentrisches Weltbild
Die beiden Charaktere von „The Parallax“ sind Schöpfer und Zerstörer zugleich und sitzen möglicherweise im gleichen Körper. Wie in einem schizophrenen Verstand bekämpfen sich beide Seiten, ohne wirklich viel voneinander zu wissen. Ist dieses dargestellte Universum vielleicht unser aller Verstand, in dem es sowohl Böses wie auch Gutes gibt, in dem Interessen und Motivationen über die Sicht der Dinge entscheiden. „The Parallax“ könnte damit ein übertragenes Bild sein, wie wir unsere eigene Welt zerstören.

Universum in der Nussschale
Die Vertonung des „Universums in der Nussschale“ würde sich jedenfalls definitiv anders anhören. Wie sagte doch einst in einer Werbung der eine Klitschko zum anderen, der nicht irgendein Buch auf dem Bauch zu liegen hatte: „Tolstoi - schwere Kost!“. Wenn wir dies auf einen musikalischen Kontext ummünzen, dann muss es „Between The Buried And Me - schwere Kost!“ heißen.

Anspieltipps:

  • Astral Body
  • Telos
  • Silent Flight Parliament

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