Franz Josef Degenhardt - Freunde Feiern Sein Werk - Cover
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Franz Josef Degenhardt Freunde Feiern Sein Werk


  • Label: Koch Records
  • Laufzeit: 110 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Gute Freunde kann niemand trennen: Nicht einmal der Tod. Die Würdigung des Lebenswerks von Franz Josef Degenhardt ist so ehrlich, wie es der Liedermacher war.

Franz Josef Degenhardt hatte Zeit eines Lebens vermutlich weniger Freunde als Feinde. Das Sprachrohr des linken Spektrums der Bundesrepublik gilt als Gründervater der deutschen Liedermacherbewegung. Und als solcher war er den hohen Herren im Lande oft ein Dorn im Auge, weil seine Worte meist das Gegenteil dessen waren, was landläufig als „politisch korrekt“ bezeichnet wurde: Sie waren ehrlich.

Das im Jahre 1965 veröffentlichte Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ hat ihn berühmt gemacht. Seine öffentlich geäußerten Sympathien für die „revolutionäre Moral“ der Mitglieder der RAF, die von seiner Rechtsanwaltskanzlei vertreten wurden, rückten ihn in der öffentlichen Betrachtung (zu) weit nach links. Er verurteilte indes die „bewaffnete Politik“ der RAF, seine „Waffe“ blieben stets die Lieder. Und in denen rief er mitunter recht unverhohlen dazu auf, sich gegen die Auswüchse des Kapitalismus und die Staatsmacht aufzulehnen.

Dass Degenhardt nicht nur ein Mensch mit Meinung und Mut, sondern auch ein großartiger Erzähler war, vermag das Album „Freunde feiern sein Werk“ gut zu vermitteln. Weggefährten wie Hannes Wader, Prinz Chaos II und Konstantin Wecker nähern sich hier seinen Liedern von der persönlichen, freundschaftlichen und nicht zuvorderst von der politischen Seite. Der Liedermachernachwuchs, vertreten durch Max Prosa) und Dota Kehr, zeigt auf, wie frisch die Werke des im November 2011 verstorbenen Vorbilds noch heute klingen können. Und, welchen Einfluss seine Musik noch auf die Generationen hat, die nach ihm konstruktiv das „Dagegensein“ verkünden. Auch Degenhardts Söhne Jan und Kai singen auf dem Album, das im Rahmen eines Gedenkkonzertes wenige Tage nach seinem Tod entstanden ist. Alle Künstler teilen hier ihre Aufmerksamkeit in zwei Teile: Eines ihrer eigenen Stücke spielen sie Degenhardt zu Ehren, hinzu kommt jeweils ein Song des Liedermachers, den sie interpretieren.

Wer Franz Josef Degenhardt noch nicht kennt, dem sei diese Doppel-CD als Würdigung seines Schaffens ans Herz gelegt. Denn sie erlaubt einen Einblick in das Wirken des Musikers, der stellenweise tatsächlich berührend ist. Und an dessen Ende sich zweifellos feststellen lässt, dass Degenhardt sich vielleicht nicht viele, aber die richtigen Freunde gemacht hat.

Anspieltipps:

  • Wölfe mitten im Mai
  • Deutscher Sonntag
  • Alter Freund

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