David Garrett - Music - Cover
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David Garrett Music


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Meister des Geigenspiels besticht auf seinem Crossover-Album nicht nur mit gewohntem Talent, sondern auch mit Kreativität, Abwechslungsreichtum und Vielschichtigkeit.

Knapp ein Jahr nach dem letzten Longplayer „Legacy“ (11/2011), der mit Gold veredelt wurde, legt Geigenvirtuose David Garrett mit „Music“ sein neustes Studioalbum vor. Nachdem er zuletzt auf Pfaden der Rockmusik gewandelt war („Rock Symphonies“ (09/2010)) und sein Tribut an seine klassischen Wurzeln mit „Legacy“ gezollt hatte, wurde es nun Zeit für neue Herausforderungen. Ein Crossover-Album sollte es diesmal sein, das getreu dem Musiker selbst keine künstlerischen Grenzen kennt. „Einerseits versuche ich, Werken aus der Klassik eine andere Note zu geben, sie in neue Konzepte und Kontexte zu stellen. Umgekehrt versuche ich aber genauso, in die Stücke aus dem Pop klassische Elemente zu integrieren und sie dabei doch in ihrer ursprünglichen Energie zu belassen.“, erklärt Garrett im Bezug auf seine Herangehensweise an die Arrangements der Werke.

Genau so setzt er schon mit Coldplay-Hymne und Opener „Viva La Vida“ an. Der Song besticht vor allem durch seine Vielschichtigkeit, die Garrett nicht durch ein großes Orchester erzeugte, sondern mithilfe eines Pedal Boards selbst erschuf. „Cry Me A River“ orchestral zu arrangieren ist dagegen eigentlich keine wirkliche Neuheit. Doch der Justin Timberlake-Song bietet sich schlichtweg an, dramatisch in Szene gesetzt zu werden. „Beethovens Scherzo“ holt die Neunte Sinfonie in d-Moll, genauer gesagt ihren dritten Satz, durch geschickte Akzentuierung in die Moderne. Michael Jacksons „Human Nature“ sorgt mit seiner Fragilität für den ersten Ruhepol des bisher eher schnelleren Silberlings. Die Gesangslinie setzt er dabei mit zarten Pizzikati um, die so gleichzeitig eine weitere Seite des Geigenspiels zeigen.

Mit Gastmusiker Arturo Sandoval (Trompete, zusätzliche Blechbläser) wagte er sich schließlich zum ersten Mal an lateinamerikanische Klänge. Der Klassiker „Tico Tico“ ist typisch für Gitarre und Percussions arrangiert und forderte so ebenfalls das Pizzikato-Geschick des Geigers. Die Umsetzung ist dabei auf ganzer Linie geglückt, denn das Geigenspiel passt sich einfach und harmonisch an das Klangbild des Stücks an und lässt dabei für einen Moment vergessen, dass der Titel in dieser Instrumentierung eher ungewöhnlich ist. „Chopins Nocturne“ zählt dagegen wieder zu den ruhigen, klassischen und dramatischen Stücken des Albums. Da Chopin nie für die Geige komponierte, entstammt auch dieses Arrangement der Feder Garretts, das von Pianist David Forster untermalt wurde. Die Komposition sorgt nicht zuletzt durch ihre Schlichtheit und das in ihr liegende Gefühl für Gänsehaut. „Whole Lotta Bond“ greift die Spielerei des Mash Ups auf, denn der Titel vereint die Titelmelodie der Bond-Filme mit Led Zeppelins „Whole Lotta Love“. Damit versucht der Musiker nicht nur gekonnt zu beweisen, dass alle musikalischen Genres auf den gleichen Grundharmonien aufbauen, sondern demonstriert damit auch zeitgleich seine Liebe für großartige Filmmusik.

Mit „Sandstorm“ gelingt ihm schließlich der nächste Wow-Moment des Silberlings. Dem durchaus bekannten Trance-Song von DJ Darude haucht er mit seinem Arrangement, das nicht komplett auf elektronische Klänge verzichtet, neues Leben ein und gibt dem Stück damit einen ganz neuen Charakter. Der titelgebende Track „Music“, im Original von John Miles, bringt das Album schließlich zu seinem nächsten Höhepunkt, bei dem Garrett es sich zur Aufgabe machte, den in den 1970ern entstandenen Song ins 21. Jahrhundert zu holen. So entstand eine Version des Musikstücks, der die Grätsche zwischen ihrem klassischen Charakter und modernen Inspirationen durch E-Gitarren und Synthesizerklänge perfekt gelingt.

„Sabre Dance“ schraubt schließlich die Geschwindigkeit des Longplayers einmal mehr in die Höhe und beweist damit erneut das technische Können des Musikers. „Bach Double Harpsichord Concerto In C Major”, eines der unbekannteren Stücke Johann Sebastian Bachs, gleicht auf seine Art einer Liebeserklärung an den Komponisten. Das inne liegende Gefühl ist schlichtweg greifbar. Der Queen-Klassiker „We Will Rock You“ schmiegt sich ideal in großes Orchestergewand, über dem Davids Melodielinien schweben.

„Celtic Rondo“ führt den Musiker ebenfalls auf ganz neue Pfade, die ihn zu seinen schottischen Wurzeln ziehen. Es ist die Kunst des Fiddelspiels, die den Track einzigartig macht und dem Künstler damit eine ganz neue Facette gibt, denn diese Art des Geigenspiels kann keinesfalls mit der klassischen Spielart des Instruments verglichen werden. Das große Finale führt schließlich zurück zu Beethovens Neunter Sinfonie in d-Moll, genauer gesagt zu ihrem Abschlussstück „Ode To Joy“. Kein Titel hätte besser gewählt werden können, als diese klassische und bekannte Melodie, die in Garretts Fall schlicht beginnt und sich langsam zu einem voluminösen Gesamtkunstwerk mit Chor hochschraubt. „Für mich ist Beethovens Ode an die Freude´gleichsam die Zusammenfassung des gesamten Albums, denn sie enthält eine der wichtigsten Botschaften der Musik überhaupt: Wir sind alle miteinander verbunden, wir sollten das Leben umarmen und uns gegenseitig respektieren.“, kommentiert der Künstler seine Songwahl.

So ist David Garrett mit diesem Silberling einiges gelungen. Die Harmonie der Songauswahl trägt durch zahlreiche Epochen und verbindet so nicht nur Stilrichtungen, sondern beweist zeitgleich, wie harmonisch sie miteinander funktionieren können. Zeitgleich wagt sich der Musiker immer wieder auf für ihn musikalischem Neuland, testet Grenzen neu aus und beweist, dass mit der nötigen Portion Mut und Talent Großartiges geschaffen werden kann. So überzeugt und begeistert „Music“ schlichtweg auf ganzer Linie.

Anspieltipps:

  • Beethovens Scherzo
  • Chopin Nocturne
  • Music
  • We Will Rock You
  • Ode To Joy

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