Ryan Bingham - Tomorrowland - Cover
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Ryan Bingham Tomorrowland


  • Label: Axster Bingham Records
  • Laufzeit: 63 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der preisgekrönte Ryan Bingham hat die Bodenhaftung nicht verloren. Emotional aufgeladener Americana-Roots-Rock, der vor Leidenschaft berstet.

Wer den Film „Crazy Heart” gesehen hat, wird den Song „The Weary Kind“ nie wieder vergessen. Der Titel war nach seinen Alben „Mescalito“ und „Roadhouse Sun“ ein Riesensprung, er gewann schließlich hierfür Oscar, Golden Globe und Grammy. Danach erschien das von T-Bone Burnett produzierte „Junky Star“, das ihn vollends in die erste Liga der Roots-Rock/Americana-Singer/Songwriter hievte.

Das neue Bingham-Werk „Tomorrowland“ wurde in seinem selbstgebauten Studio in Malibu, Kalifornien aufgenommen. Als Co-Produzent gewann Bingham Justin Stanley, der bereits mit Eric Clapton und Sheryl Crow[/band zusammengearbeitet hat. Außerdem hat der amerikanische Singer / Songwriter sein eigenes Label Axster Bingham Records ins Leben gerufen, auf dem nun seine 13 neuen Songs veröffentlicht wurden.

Mit „Beg For Broken Legs“ und „Western Shore“ legt Bingham einen Einstieg hin, der die Urgewalt seiner Reibeisenstimme mit einem aus klappernden Akustikgitarrenklängen, treibend-dringlichen E-Gitarren, rhythmischer Wucht und flirrenden (vom Keyboard erzeugten?) Streichern errichteten Wall Of Sound verknüpft. Da würden gar Erinnerungen an die Led Zeppelin-Alben „Houses Of The Holy“ und „Physical Graffiti“ wach, wären da nicht die spannungsgeladenen, zwischen Folk, Blues und Roots-Rock wandelnden Songs „Flower Bomb“, „No Help From God“ und „Too Deep To Fill“. Jenen ruhigeren bzw. semi-akustischen Songs verleiht Bingham naturgemäß Stimme und eine nachdenkliche und nachhallende Stimmung.

Diese Stimmungen erfahren immer wieder das wuchtige und mächtige Kontrastprogramm, das auf „Guess Who’s Knockin‘“ mit jaulenden Stromgitarren aufwartet und auf „Heart Of Rhythm“ sowie „The Road I’m On“ in amerikanische Punkrock-Regionen vorstößt. Auch im mittleren Tempobereich krachen die Songs und spüren einer verzweifelt optimistischen Leidenschaft nach, die auf diese Art bisher ausschließlich Bruce Springsteen vorbehalten war - „Heart Of Rhythm“, „Rising Of The Ghetto“, „Keep It Together“, „Never Far Behind“ und „Never Ending Show“ sind Beispiele hierfür.

Ryan Bingham ist ein ganz hervorragendes Album gelungen, auf dem seine markante, unverwechselbare Stimme in ein überaus lebendiges Klanggebäude gestellt wird. Er zimmert erdigen Roots-Rock, spürt dem Blues nach, vertraut den Emotionen und der Erzählung des Folk, mischt Streicher- und Produktionskunst unter, um letztlich als natural born Americana-Singer / Songwriter dazustehen. Dieses Album atmet Natürlichkeit, zerberstet schier vor Wut und Verzweiflung, läuft gegen die Wand, um danach geläutert nach innen zu blicken und sanft und zärtlich zu berühren oder Lebensfreude und Optimismus zu verbreiten. Bingham versteht es, dies alles in ein Album, manchmal gar in einen Song zu packen. Wow!

Anspieltipps:

  • Beg For Broken Legs
  • Guess Who’s Knockin’
  • Heart Of Rhythm
  • Rising Of The Ghetto
  • Keep It Together
  • Never Far Behind

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