Rainald Grebe - Das Rainald Grebe Konzert - Cover
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Rainald Grebe Das Rainald Grebe Konzert


  • Label: Versöhnungsrecords/Broken Silence
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Gebrochene Flügel: „Wir werden in die Welt gevögelt und können nicht fliegen“, weiß Rainald Grebe. Singen kann übrigens auch längst nicht jeder.

„Konzert (…) nennt man den Vortrag von Musik vor einer eigens zu diesem Zweck versammelten Hörerschaft. Der Begriff grenzt sich ab von Veranstaltungen, bei denen die Musik nicht die Hauptsache ist.“ Diese Wortdefinition des Online-Lexikons Wikipedia führt den Nachweis, dass der Titel des aktuellen Albums von Rainald Grebe sachlich falsch ist. Denn die Musik steht auf diesem Werk sicherlich nicht im Vordergrund.

Die Vortragsweise des Kabarettisten als „Singen“ zu bezeichnen, würde vermutlich manchem Gesangslehrer die Zornesröte ins Gesicht treiben. Grebe erzählt, klagt, wütet, flüstert, skandiert und brüllt hier - doch dass er tatsächlich singt, ist eher die Ausnahme. Die Rückbesinnung auf eine schlichte Klavierbegleitung (im vergangenen Jahr war Grebe noch mit einem Orchester unterwegs) ist daher eine durchaus kluge Entscheidung. Denn letztlich werden sämtliche Instrumente im Grebe’schen Kosmos eh stets zur tonalen Unterstreichung der Worte degradiert: Harter Tastenanschlag kennzeichnet Wut, schlägt er sanft an, ist die Erzählweise meist leise und ironisch.

Vorrang vor etwaigen klanglichen Harmonien haben bei Rainald Grebe immer die Texte. Und geistreiche Zeilen über Neider wie: „Künstler dürfen, nein sie müssen ins Bordell / Für ein Aquarell oder Gedicht /Wir nicht“, lassen sich eben unmöglich fließend vertonen. Und für Sätze der Marke: „Wir werden in die Welt gevögelt und können nicht fliegen“, erträgt der Hörer dann auch geduldig so manche Disharmonie. Den Satz hat sich Grebe übrigens vom Dichter Werner Schwab geliehen - was er mit der Aussage „It’s all based of Copy and Paste“ an anderer Stelle jedoch freimütig eingesteht.

Wer ähnlich ätzend-lakonische Texte einmal im eleganteren melodischen Gewand hören möchte, dem sei der Chansonnier Sebastian Krämer (Sonderpreisträger des Deutschen Kabarett-Preises 2012) ans Herz gelegt. Doch auch das Rainald Grebe-Konzert - das strenggenommen ja keines ist, bringt neben dadaistischem Nonsens viele wertvolle Botschaften aus der Perspektive des „kleinen Mannes“. Nur werden diese hier eben eher „ehrlich“ als „schön“ musikalisch in Szene gesetzt.

Anspieltipps:

  • Die Welt vor meiner Geburt
  • Künstler
  • Das psychologische Jahrhundert
  • Lied des Konservierungsstoffes kurz vor Ablauf seines Verfallsdatums

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