Panzerballett - Tank Goodness - Cover
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Panzerballett Tank Goodness


  • Label: Gentle Art Of Music/SOULFOOD
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

So bedingungslos hart wie Panzerglas... nur verrückter!

Im Jiddischen sagt man gemeinhin meschugge, wenn man ein wenig mehr neben der Reihe läuft, als es gerne gesehen ist. Wenn fünf Metaller sich entscheiden ihre große Liebe mit Jazz zu verbinden, dann ist dieses Wort fürwahr angebracht. Streng genommen sind Gitarrist Jan Zehrfeld und seine Bandmitglieder mehr eine Coverband. So wurden sie in den letzten Jahren besonders für ihre Interpretationen von ABBA und Frank Zappa gefeiert. Diese Auswahl war auch mehr als nur intelligent, da die Verwurstung ABBAs die nötige Abstrusität mit Mainstream verband und Zappa schon vorher völlig Banane klang.

Auf „Tank Goodness“ wird lediglich Dirty Dancing zitiert, sowie die Jazz-Pop-Hymne „Take Five“. Ansonsten lassen sich Panzerballett an unbekannteren und eigenen Kreationen aus. Dementsprechend wird diesmal einfach nur wie wild draufgehalten, anstatt den Hörer verschmitzt mit z.B. einer „The Simpsons“-Interpretation aufzulockern. Bretternde Gitarren in Quintolen und Saxophon-Soli überschneiden sich mit eklektischem Schlagzeug und selbst bei einer Thai-Massage würde der Puls immer noch konstant von über 120 grüßen.

Aber nicht das ganze Album legt auf diesen Schweiß treibenden Wahnsinn an. Gleich „Mustafari Likes Di Carnival“ verbindet Reggae, Funk, Jazz und Santana-Gitarren zu einem interessanten Stück Jazz-Fusion/Prog-Rock, das sich hören lassen kann. Auch die Tempoverlagerungen in „Giant Steps“ sorgen für aufregende Prog-Momente und „Zehrfunk“ ist tatsächlich mal ein Metal freies Lied. Wer neugierig auf die Mischung aus Jazz und Metal ist, der wird diese Lieder sicher interessant, aber nur selten umwerfend finden.

Zumindest ist Unterhaltung gegeben bis zu dem Zeitpunkt an welchem das unselige Cover „(I've Had)Time Of My Life“ erklingt. Schwacher Gesang und nur wenig wirklich herausfordernde musikalische Momente machen eine große Chance zunichte. Der Rhythmus der Strophen klingt gehetzt und die einfallende Härte kommt wirklich immer nur an erwartbaren Punkten. Frei von Überraschungen und bei weitem nicht so gut strukturiert wie die ABBA-Cover geht dieses Neuinterpretation in die Annalen der Vergessenheit ein. Da ist „Take Five“ am Ende viel versöhnlicher und lässt eine diesmal recht ereignislose Dreiviertelstunde ausklingen. Natürlich haben Panzerballett immer noch ihre ganz eigene Magie, doch ohne die Hilfestellung aus dem Zappa-Lager und der Masse an ABBA-Klasse will „Tank Goodness“ nicht so sehr zünden wie die Vorgänger.

Anspieltipps:

  • Mustafari Likes Di Carnival
  • Giant Steps
  • Take Five

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