Mick Hucknall - American Soul - Cover
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Mick Hucknall American Soul


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der ehemalige Sänger von Simply Red widmet sich auf seinem zweiten Soloalbum dem US-amerikanischen Soul.

Dass Mick Hucknall gerne covert, ist kein Geheimnis. Schon mit seiner ehemaligen, vor zwei Jahren aufgelösten Band Simply Red spielte er den einen oder anderen bereits bestehenden Song neu ein und eignete sich auf diese Weise Stücke wie „If You Don't Know Me By Now“ von Harold Melvin And The Blue Notes fast vollständig an. Da verwundert es kaum, dass er diesem Prinzip mit seinem 2008er Solodebüt „Tribute to Bobby“ nicht nur treu geblieben ist, sondern es sogar auf zwölf Songs des Blues- und Soulsängers Bobby Bland ausweitete. Und warum auch nicht, wenn es gut gemacht ist und am Ende nicht nur eine schlechte Kopie des Originals dabei herauskommt. Mit diesem Ziel ging Mick Hucknall auch an sein neues Studioalbum „American Soul“, das ausschließlich Coverversionen teils allgemein bekannter, teils weniger populärer, aber für ihn persönlich sehr bedeutender Soulsongs enthält.

Und was soll man auch anderes behaupten: Das Konzept funktioniert. Schon der Opener, Otis Reddings „That’s How Strong My Love Is“, passt nahezu perfekt zu Mick Hucknalls markanter Stimme und wird darüber hinaus durch den dezenten Einsatz von Streichern und die Unterstützung eines Backgroundchors gekonnt in die Gegenwart transferiert. Auch den darauffolgenden Stücken merkt man ihr Alter nicht an: Das mit Bläsern untersetzte „Turn Back The Hands Of Time“ von Tyrone Davis klingt, als hätte der Rotschopf es vor kurzem erst geschrieben und auch das berühmte „I’d Rather Go Blind“ von Etta James fügt sich wie selbstverständlich in das Repertoire ein. Überhaupt ist Etta James die einzige Künstlerin, von der gleich zwei Stücke auf „American Soul“ vorzufinden sind, wobei das etwas unbekanntere „Let Me Down Easy“ aber nicht an die Größe von „I’d Rather Go Blind“ heranreicht.

Doch was soll’s, weiter geht es mit Mick Hucknalls Interpretation von Ray Charles‘ „Lonely Avenue“ – einem Cover, das den 56 Jahre alten Song durch den fast allgegenwärtigen Einsatz von Streichern zwar einen Tick opulenter erscheinen lässt, dabei aber nicht an den Charme des Originals heranreichen kann. Danach wird der Coolness-Faktor mit dem etwas zu süßen „I Only Have Eyes For You“ (The Flamingos) wieder ein wenig heruntergefahren und auch Aaron Nevilles „Tell It Like It Is“ kann aus der starbesetzten Auswahl nicht wirklich herausstechen. Dafür aber umso mehr das anschließende, deutlich flotter eingespielte und ordentlich groovende „Baby What You Want Me To Do“ von Jimmy Reed.

Und wen nach „Lonely Avenue“ nicht spätestens Mick Hucknalls Version von Arthur Alexanders „The Girl That Radiates That Charm“ entfernt an Joe Cocker erinnert, den stößt Nina Simones „Don’t Let Me Be Misunderstood“ direkt mit der Nase darauf. Ob der ehemalige Simply Red-Sänger diesen eigentlich schon zu oft gecoverten Song wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, gerecht wird er ihm aber zweifellos. Nach dem nur leicht veränderten „It’s Impossible“ von Perry Como bildet das gerademal sieben Jahre junge „Hope There’s Someone“ von Anthony And The Johnsons den Abschluss von „American Soul“, einer musikalischen Geschichtsstunde mit Mick Hucknall.

Was am Ende bleibt, ist die Erkenntnis, dass keiner der zwölf Songs durch die Aufarbeitung einen Qualitätsverlust zu verzeichnen hat, sondern manchmal sogar das Gegenteil der Fall ist. Mick Hucknall geht sehr gewissenhaft mit den einzelnen Stücken um, sein Respekt vor den Originalen ist dabei deutlich herauszuhören. Trotzdem drückt er den Klassikern seinen eigenen Stempel auf. Und selbst wenn nicht alle Songs so wunderbar funktionieren wie „That’s How Strong My Love Is“ oder „Baby What You Want Me To Do“, bleibt das Gesamtbild von „American Soul“ vor allem durch die modernen Arrangements und Mick Hucknalls tolle Stimme ein gutes.

Anspieltipps:

  • That’s How Strong My Love Is
  • Baby What You Want Me To Do
  • I’d Rather Go Blind
  • The Girl That Radiates That Charm

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