Herbert Grönemeyer - I Walk - Cover
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Herbert Grönemeyer I Walk


  • Label: Grönland/Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Grönemeyer’s „I Walk“ erscheint zwar auch in Deutschland, ist aber eigentlich für den englischen Markt gedacht. Und dort scheint es besser aufgehoben.

Entkommen aus der Nuschelfalle: Herbert Grönemeyer klingt auf Englisch verständlicher als in deutscher Sprache. Fremd und damit befremdlich klingt es trotzdem, wenn die vertrauten Texte seiner Lieder plötzlich in der Weltsprache daherkommen. Da wird aus „Deine Zeit“ dann „Before The Morning“ - und wer die Originaltitel wirklich ins Herz geschlossen hat, der mag sich mitunter fast ein wenig ekeln vor den Nachdichtungen, die manchmal doch arg bemüht wirken.

Allerdings war „I Walk“ ursprünglich auch für den englischen Markt vorgesehen, denn Grönemeyer lebt seit vielen Jahren in London und ist seiner eigenen Aussage nach „gefühlt ein halber Engländer“. So ist die Wahrnehmung, hier würden deutsche Texte ins Englische übertragen, dann auch nur die halbe Wahrheit: Die Mehrzahl der Titel seiner letzten Veröffentlichung „Schiffsverkehr“ hatte er ursprünglich ohnehin in der Sprache seiner zweiten Heimat verfasst. Was wiederum erklärt, weshalb diese stellenweise doch arg kryptisch und ungewohnt unkonkret wirkten.

Klar funktionierten die eingängigen Melodien von Songs wie „Mensch“ (das weiterhin „Mensch“ heißen darf) oder „Glück“ (hier: „All That I Need“) letztlich auch dann, wenn Grönemeyer sie in Suaheli vortragen würde. Zumal die musikalische Begleitung meist nur behutsam modernisiert worden ist. Dass die Texte nicht Wort für Wort übertragen wurden (auch wenn das etwa auf „Airplanes in My Head“ fast so wirkt, obwohl die Flugzeuge hier aus dem Bauch in den Kopf wandern), versteht sich von selbst. Es gilt nicht das „Raider heißt jetzt Twix“-Prinzip. Grönemeyer bleibt thematisch zwar meist der Aussage der Originale treu, bastelt sich jedoch passende Versformen zusammen, um die Geschichten neu zu erzählen - was mal besser („Behind The Glass“, im Original „Stand der Dinge“) und mal schlechter („To The Sea“, auf Deutsch „Zum Meer“, das hier mit Stolperzeilen wie „Let it go/ Let it go“ aufwartet) gelingt.

Interessanter als die Transkriptionen sind jene drei Songs, die bisher nicht in deutscher Sprache erschienen sind: Speziell der Titelsong liefert dabei den Nachweis, dass Grönemeyer-Kompositionen internationales Format besitzen. Kein wirkliches Kaufargument für Fans, die unsicher sind, ob sie ihrem Helden auch in fremder Sprache folgen, sind hingegen die Gastbeiträge. Toll, dass der Deutsche brillante Sänger wie Antony Hegarty und Bono (U2) von einer Zusammenarbeit überzeugen konnte - nur mag seine Stimme so gar nicht mit denen der zwei Weltstars harmonieren. Zusammenfassend lässt sich wertungsfrei feststellen, dass fürs Grönemeyersche Schaffen weiterhin gilt, was der Barde schon 1998 verkündet hat: „Bleibt alles anders“. Und ob „anders“ nun gut oder schlecht ist, das bleibt Geschmackssache.

Anspieltipps:

  • I Walk
  • Behind The Glass
  • Mensch

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