Jonathan Jeremiah - Gold Dust - Cover
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Jonathan Jeremiah Gold Dust


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Goldstaub legt sich über die Folk-Seele der Songs. Ergibt eine glänzende Oberfläche - die leider ein wenig blendet.

Hat Jonathan Jeremiah da eben tatsächlich „You are my Roastbeef” gesungen? Welch wundervolle Metapher für die große Liebe! So fasst ein wahrer Poet also die Fleischeslust in Worte! Dachte ich. Doch er singt im Titelsong leider nicht davon, seine Freundin mit Haut und Haaren zu verschlingen. „Roast Thief“ soll es wohl heißen, was irgendwie schade ist. Immerhin: Es geht im Titeltrack schon auch um die Wurst, nur eben eher im übertragenen Sinne.

Ein bisschen ist dieses Zweitwerk Jeremiahs ein Konzeptalbum: Wer mag, darf es als einen vertonten Tag im Leben des Barden interpretieren. Und ohne Frage ist es ein dramatischer Tag, den er da schildert. Deshalb braucht es auch ein Orchester, nämlich das niederländische Metropole Orkest. Das scheint auf Goldstaub abonniert, veredelte es doch erst kürzlich das gleichnamige Werk von Tori Amos. Anders als die Musik, die hier und da sicherlich auch mit etwas weniger Pomp ausgekommen wäre, wirken die Texte auf Gold Dust nicht pathetisch und abgehoben, sondern intim und - etwa wenn er in „Fighting since the Day we are born“ über das Ableben seines Vaters sinniert - berührend.

Nicht immer berührend ist die Musik, die ihm zu seinen kleinen Geschichten eingefallen ist: „The Time of our Lives“ und „You save me“ sind doch arg nah an der Kitschklippe gebaut. „Lazin‘ in the Sunshine“ lässt im ersten Moment vermuten, Jack Johnson sei neuerdings in Depressionen verfallen. Verzeihliche Ausrutscher, denn das Gerüst dieser Platte ist keineswegs staubig, sondern hübsch und detailverliebt herausgeputzt. Allein für die zarte Melodie von Gold Dust, die Ein- und Ausklang des Werkes geben darf, würde mancher Auftragsschreiber aus der Pop-Industrie vermutlich morden. Durchaus schick ist auch der Aufbau von „Chatsworth-Ave.“ geraten, das ein wenig an die Blur-Großtat „The Universal“ erinnert. Den Weg zum Nachfolger könnten derweil Songs wie „Shout“ und „All we need is a Motorway“ weisen: Reduzierte Instrumentierung, stilistisch dem Folk & Soul deutlich näher als der Popmusik. Der Mann braucht nicht wirklich ein Orchester. Wie er das den Streichern vermitteln könnte? Vielleicht so: „Alles hat ein Ende - nur die Wurst hat zwei.“

Anspieltipps:

  • Gold Dust
  • Shout
  • All We Need Is A Motorway
  • Caffeine & Saccharin

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